Soldaten stehen an einer Straßenabsperrung zum Regierungsgebäude in Myanmar | AFP

Proteste in Myanmar Militär sperrt soziale Netzwerke

Stand: 04.02.2021 08:41 Uhr

In Myanmar greift das Militär nach seiner Machtübernahme zu weiteren Maßnahmen. Um Proteste zu verhindern, sperrte die Putsch-Regierung den Zugang zu sozialen Netzwerken.

Von Lena Bodewein, ARD Singapur

So klingt Protest: Von den Balkonen Yangons, aus ihren offenen Fenstern singen die Menschen, Autohupen begleiten sie. Die von den Militärs verhängte Sperrstunde ignorieren sie. Und in Windeseile verbreiten sich Videos des Protestes über Facebook. So war es zumindest am Mittwochabend noch. Doch jetzt ist damit Schluss: "Ich konnte heute früh nicht auf Facebook. Meine Freunde haben mir dann erzählt, dass es jetzt offiziell gesperrt ist, bis Sonntag", sagt eine junge Frau, die zu ihrer eigenen Sicherheit anonym bleiben will.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Militär blockiert Facebook und Instagram

Facebook, Whatsapp, Instagram - all das soll nicht erreichbar sein, das hat die neue Militärregierung verfügt. Gerade Facebook ist in Myanmar eine wichtige Plattform für Kommunikation und Geschäft, die Hälfte aller 53 Millionen Einwohner nutzt es. Doch das Militär begründet den Schritt damit, dass Menschen via Facebook Fehlinformationen verbreiteten und die Stabilität des Landes gefährdeten.

Viele Videos von den lautstarken Protesten mit Gesang oder Töpfen und Pfannen wurden geteilt, dazu Bilder von medizinischem Personal, das auf seinen Schutzanzügen Sprüche trägt wie "Die Diktatur wird scheitern!", "Wir wollen unsere gewählte Regierung!" oder "Rettet Myanmar!". Online-Demonstrieren anstatt auf die Straße zu gehen, die Kraft des Daheimbleibens nennen sie es in ihren Hashtags. Und das hat seinen Grund, erklärt ein Mitglied der Nationalen Liga für Demokratie: "Die Unterstützer der Armee feiern den Putsch auf den Straßen. Wenn wir auch auf die Straße gingen, gäbe es Zusammenstöße und das Land stürzte ins Chaos. Das würde das Militär als Rechtfertigung nutzen, um den Putsch in seiner Gewalt auszuweiten", so Kyaw Kyaw Thet gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Es würde ihnen die Entschuldigung geben, dass wir die Gewalt angezettelt hätten. Darum bleiben wir zuhause und gehen ihnen nicht in ihre politische Falle."

Keine Nachrichten von Aung San Suu Kyi

Seine Partei, die NLD von Aung San Suu Kyi, berichtete am Mittwoch, dass viele ihrer Büros durchsucht, Computer und Dokumente beschlagnahmt wurden. Dann hieß es zunächst, dass Aung San Suu Kyi wegen Hochverrats angeklagt werden sollte - damit würde ihr die Todesstrafe drohen. Später wurden die aktuellen Vorwürfe bekannt, dass sie gegen Einfuhrgesetze verstoßen haben soll. Aber zuverlässige Informationen und funktionierende Kommunikation sind zurzeit eine Seltenheit in Myanmar. Von der Friedensnobelpreisträgerin selbst fehlt bisher jede Nachricht.

Doch die Bürger Myanmars geben nicht auf. "Wir finden Wege. Einige meiner Freunde nutzen zum Beispiel virtuelle private Netzwerke. Wir werden immer etwas organisieren können, wenn wir irgendwie verbunden sind. Noch haben wir keine Anführer, aber die Bewegung wird sich formieren." Das sagt die junge Frau mit einer Gewissheit, an der sie sich festhält in dieser Zeit der Unsicherheit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Februar 2021 um 09:00 Uhr.