Ein Demonstrant in Yangon, Myanmar, wirft ein Stück Banane auf Polizisten. | AP

Protest in Myanmar Mit Steinen gegen Sturmgewehre

Stand: 28.03.2021 13:38 Uhr

Das Militär begehe "Massenmord am Volk", erklärte der UN-Sonderberichterstatter für Myanmar. Denn die Junta schießt auf Protestierende, auch auf Kinder. Doch das Volk kämpft weiter, getragen von der Hoffnung - und einem alten Protestlied.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Ein Video aus Myitkyina im Norden Myanmars zeigt, wie Soldaten und Polizisten mit Sturmgewehren auf Demonstrierende zielen. Auf der einen Seite das Militär, schwer bewaffnet, hinter Schutzschilden und mit festen Stiefeln. Auf der anderen Seite Menschen mit Flipflops, kurzen Hosen, mit Steinen in der Hand. Wenn einer der Demonstrierenden mal einen Bauhelm trägt oder eine Schutzweste, dann ist das schon viel.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Oft müssen die Demonstrantinnen und Demonstranten Verletzte tragen. Die Bilder, wie sie gemeinsam einen Menschen über die Straße schleppen und das Blut seine Spur im Staub zieht, sind schwer zu verdauen. "Die Menschen haben nicht mehr Angst durch das Morden, die Trauer, die Verluste und der Ärger in ihnen. Der bringt sie auf die Straße", erzählt eine Mitarbeiterin des ARD-Hörfunks in Myanmar. "Wir können nichts anderes tun, als unbewaffnet auf die Straße zu gehen und für die Demokratie zu demonstrieren."

Der General beschwört Frieden

Währenddessen beschwört General Min Aung Hlaing während der Armee-Feierlichkeiten den Willen des Militärs, allen Menschen in Myanmar die Hand zu reichen. Er wolle sie schützen und die diplomatischen Beziehungen zu anderen Ländern stärken, um ein "friedliches und entwickeltes Myanmar zu bauen". Russland und China hatten Vertreter zur Militärparade geschickt. Und wurden zum Dank als "wahre Freunde" bezeichnet.

Die Worte des Generals vom friedlichen General, für die Demonstrierenden klingen sie wie Hohn. "Sie schießen uns ab wie Hühnchen", so beschreibt es einer von ihnen. Wie Pfauengeflügel, so heißt es in einem Protestlied aus dem Jahr 1988: Der Pfau als Symbol der Revolution gegen das Militärregime.

Elf Jahre, getötet von Soldaten

In Mawlamyine wird ein elfjähriges Mädchen zu Grabe getragen, das gestern von Soldaten getötet wurde. Nach den Protesten am Vortrag und der Gewalt des Militärs kommen nun die Bestattungen. "Wenn es für unser Land ist, dann sind wir bereit, unser Leben zu opfern, während das Blut aus uns fließt", singen Trauernde bei einer Beerdigung. "Es ist eine wichtige Zeit, um geeint zusammenzustehen. Wir schreiben unsere neue Geschichte mit Blut. Wir schließen einen Pakt mit Blut." So singen sie.

Bomben auf Dörfer

Im Vielvölkerstaat Myanmar gab es nie richtige Einheit; viele ethnische Minderheiten führten oder führen einen Kampf für ihre Unabhängigkeiten. Und viele dieser Gruppen haben bewaffnete Einheiten. Die Armee und die frühere Regierung standen in verschiedenen Lagern. Nun aber bombardiert die Armee die Dörfer, in denen die Minderheiten der Karen, der Kachin oder der Rakhine leben. Und damit bringt sie die verschiedenen ehtnischen Gruppen gegen sich auf - und auf die Seite der Demonstrantinnen und Demonstranten.

"Manche Menschen hoffen noch darauf, dass die internationale Gemeinschaft dem Land hilft", sagt die ARD-Mitarbeiterin in Myanmar. "Aber inzwischen setzen sie mehr Hoffnung auf eine vereinte Armee der ethnischen Minderheiten." Wie realistisch das sei, wisse sie nicht. Und während die Menschen noch ihre Liebsten begraben, machen sie sich bereits für den nächsten Protest bereit. "Wir kämpfen diesen Kampf bis zum Ende, um Frieden und Freiheit zu erlangen." So klingt ihr Lied.

Über dieses Thema berichtete am 28. März 2021 die tagesschau um 14:00 Uhr und MDR Aktuell um 14:07 Uhr.

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KOMMENTARE

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Wohlergehen 28.03.2021 • 23:29 Uhr

@ Mass Effect 21.28

Sie haben Recht mit dem Hinweis auf das Thema. "Das Parteipolitische Gezänk zeigt mir das sie überhaupt kein Interesse um das Leben dieser Menschen geht": Kein Kommentar, da ich weiß aus welcher Ecke Ihre Äußerungen kommen!