Demonstranten in der Gemeinde Tarkata in Yangon errichten Sperren, um sich zu verteidigen. | AP

Gewalt in Myanmar Tote und Verletzte bei neuen Protesten

Stand: 20.03.2021 11:18 Uhr

Die Proteste gegen die Militärjunte in Myanmar dauern unvermindert an - die Sicherheitskräfte gehen weiter gewaltsam dagegen vor: Medien berichten erneut von Toten und mehrere Verletzten bei landesweiten Demonstrationen.

Gegner der Militärjunta in Myanmar haben trotz des zunehmend harten Vorgehens der Sicherheitskräfte auch ihre Proteste in mehreren Städten fortgesetzt. Zwei Menschen wurden in dem für seine Rubinminen bekannten Ort Mogok getötet, als Soldaten das Feuer eröffneten, wie das Nachrichtenportal Myanmar Now meldete.

Verletzte in Mandalay

In der zweitgrößten Stadt Mandalay wurden nach Angaben eines lokalen Nachrichtenportals mehrere Demonstrierende verletzt, als ein Fahrzeug aus ungeklärten Gründen in die Menge fuhr und die Polizei Gummigeschosse einsetzte. Im Shan-Staat gingen Protestierende mit Gasmasken auf die Straße, wie auf Bildern in örtlichen Medien zu sehen war. Auch aus mehreren anderen Orten wurden meist kleinere Proteste gemeldet.

Seit dem Militärputsch am 1. Februar befindet sich Myanmar in Aufruhr. Regelmäßig kommt es zu landesweiten Protesten. Gegen Demonstrierende, die seither in Massen die Freilassung Suu Kyis und eine Rückkehr zum demokratischen Prozess fordern, geht die Junta brutal vor. Örtlichen Menschenrechtsgruppen zufolge wurden seit Beginn der Proteste mehr als 230 Menschen getötet. 

"Wir verschwinden, wenn wir sie kommen hören"

Wegen der zunehmenden Gewalt der Sicherheitskräfte haben die Demonstrierenden aber ihre Taktik angepasst. Manchmal versammeln sie sich nachts mit Kerzen und Plakaten, fotografieren die Aktion und ziehen dann wieder ab. Oder sie inszenieren "unbemannte Proteste", bei denen sie reihenweise Plakate aufhängen, auf denen Botschaften zu lesen sind wie: "Wir werden niemals aufhören, solange wir keine Demokratie bekommen."

"Wir protestieren, wenn keine Polizei oder Militärs da sind. Und wenn wir sie kommen hören, verschwinden wir schnell", sagte Aktivist Kyaw Min Htike der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich will keinen einzigen meiner Kameraden verlieren. Aber wir werden auf jede uns mögliche Art protestieren, bis unsere Revolution die Oberhand gewinnt."

UN-Sonderberichterstatter: "Die Welt muss reagieren"

Der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Myanmar, Tom Andrews, warnte die Junta, sie könne eine Bevölkerung nicht besiegen, die "in friedlichem Widerstand vereint ist". Die Junta sei "verzweifelt" und versuche, durch "rücksichtslose Angriffe eine gewaltsame Antwort" der Bevölkerung zu provozieren, um "noch mehr Gewalt zu rechtfertigen", twitterte Andrews. "Es funktioniert nicht. Die Welt muss reagieren, indem sie ihren Zugang zu Geld und Waffen unterbricht. Jetzt", forderte er.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. März 2021 um 10:30 Uhr in den Nachrichten.