Demonstranten Auge in Auge mit Militärs in Yangon, Myanmar | AFP

Gewalt in Myanmar Der wohl blutigste Tag seit dem Militärputsch

Stand: 14.03.2021 20:23 Uhr

Es war der wohl gewalttätigste Tag in Myanmar, seit das Militär die Macht an sich gerissen hat. Laut Anwälten wurden am Sonntag bis zu 38 Menschen getötet. In Teilen Yangons gilt jetzt das Kriegsrecht.

Bei Protesten gegen die Militärherrschaft in Myanmar sind laut Berichten von Anwälten für politische Gefangene bis zu 38 Demonstranten ums Leben gekommen. Allein in einem Distrikt der Großstadt Yangon wurden demnach 22 Menschen getötet. In zwei Stadtteilen Yangons haben die Militärmachthaber das Kriegsrecht verhängt. Der Kommandeur in der Region Yangon erhalte entsprechende Vollmachten, um "effizienter die Sicherheit aufrechtzuerhalten sowie Rechtsstaatlichkeit und Ruhe zu gewährleisten", sagte ein Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen.

Seit der Machtübernahme des Militärs gehen die Menschen in Myanmar jeden Tag zu Zehntausenden auf die Straße und verlangen die Freilassung und Wiedereinsetzung der gestürzten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die Einheiten der Militärjunta gehen mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor. Auch am Wochenende gab es wieder im ganzen Land Proteste. Nach dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte heute ist ein dramatischer Anstieg der Totenzahl zu befürchten.

Abgetauchte Abgeordnete organisieren Protest

Eine Gruppe gewählter Abgeordneter, die seit der Machtergreifung des Militärs im Untergrund lebt und eine Art Gegenregierung gebildet hat, mobilisiert unterdessen die Bevölkerung. Das Land erlebe gerade seine "dunkelste" Zeit, aber das Licht des Sonnenaufgangs sei nah, sagte Ex-Parlamentspräsident Mahn Win Khaing Than am Samstagabend in einem Video. Die Menschen sollten mit ihrer "Unbesiegbarkeit" Widerstand leisten und weiter gegen die "unrechtmäßige Diktatur" auf die Straße gehen.

Than gehört der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) an, also der Partei von Aung San Suu Kyi. Nach dem Putsch am 1. Februar schloss er sich mit anderen im November gewählten Abgeordneten zusammen, um sich der Militärregierung entgegenzustellen. Die Gruppe nennt sich Committee Representing Pyidaungsu Hluttaw (CRPH) und soll das legitime Parlament Myanmars repräsentieren, das auf Birmanisch Pyidaungsu Hluttaw heißt. Die Militärregierung warf den abgetauchten Abgeordneten "Hochverrat" vor, was mit bis zu 22 Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

Karte: Yangon, Myanmar

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. März 2021 um 19:38 Uhr.