Anti-Putsch-Demonstranten in Yangon ziehen sich von den Barrikaden zurück, nachdem Bereitschaftspolizisten Schallbomben und Gummigeschosse abgefeuert hatten. | dpa

Proteste in Myanmar Wieder Gewalt und wieder Tote

Stand: 11.03.2021 14:29 Uhr

In Myanmar reißen die Proteste gegen die Junta nicht ab. Die Sicherheitskräfte haben erneut auf Demonstranten geschossen, mehrere Menschen wurden getötet. Das Militär erhob derweil neue Vorwürfe gegen die abgesetzte De-Facto-Regierungschefin Suu Kyi.

Sicherheitskräfte haben in Myanmar Augenzeugen zufolge erneut mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen und mehrere Menschen getötet.

In der Gemeinde Myaing im Zentrum des Landes habe eine Gruppe Menschen vor einer Polizeistation protestiert, um die Freilassung von drei zuvor festgenommenen Mitbürgern zu fordern, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. "Die Polizei hat zunächst mit Tränengas und Gummigeschossen gezielt und dann scharf geschossen", so der Mann. "Sechs Menschen sind gestorben, darunter einer meiner Freunde."

"Militär hat direkt auf sie gezielt"

Auch in der Gemeinde North Dagon im östlichen Teil von Yangon starb mindestens ein Demonstrant. "Wir waren etwa 100 Teilnehmer. In vorderster Reihe standen Demonstranten mit selbst angefertigten Schutzschilden", sagte der Augenzeuge Kyaw Kyaw Win. "Das Militär hat direkt auf sie gezielt." Es habe auch zwei Verletzte gegeben, so der Mann weiter. Auch in Mandalay, Bago und Taungoo gab es jeweils einen Toten.

Das Militär bekräftigte, es werde nur für eine bestimmte Zeit an der Macht bleiben. "Wir werden eine Wahl abhalten, und dann werden wir die Regierungsgeschäfte an die Siegerpartei übergeben", sagte Brigadegeneral Zaw Min Tun, der als Sprecher der Militärregierung fungiert, in der Hauptstadt Naypyitaw.

Junta beschuldigt Suu Kyi der Korruption

Seit dem Putsch des Militärs von Anfang Februar gibt es in dem südostasiatischen Land täglich Massenproteste gegen die Generäle. Die Demonstranten fordern die Freilassung der entmachteten und festgesetzten de-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie die Wiedereinsetzung ihrer gewählten Regierung.

Unterdessen hat die Junta weitere Vorwürfe gegen Suu Kyi erhoben: Diese soll angeblich in korrupte Geldgeschäfte verwickelt sein. Suu Kyi habe illegal Gold und eine Summe von 600.000 US-Dollar angenommen, erklärte der Junta-Sprecher Zaw Min Tun. Die Anti-Korruptionskommission sei eingeschaltet.

Amnesty: "Offenbar systematisch tödliche Gewalt"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, sie sei nach der Auswertung von mehr als 50 Videos zu dem Schluss gekommen, dass die Sicherheitskräfte offenbar systematisch tödliche Gewalt anwendeten. Das Militär setze im ganzen Land zunehmend Waffen gegen die Bevölkerung ein, die normalerweise auf dem Schlachtfeld genutzt würden. "Viele der dokumentierten Morde sind außergerichtliche Hinrichtungen", urteilte Amnesty. Selbst unbeteiligte Beobachterinnen und Beobachter würden ins Visier genommen.

UN verurteilt Gewalt scharf

Auch der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt scharf. Alle Festgenommenen müssten sofort wieder freigelassen werden, forderte das Gremium in einer bei einer kurzfristig angesetzten Sitzung am Mittwoch (Ortszeit) verabschiedeten Stellungnahme. Der Rat forderte das Militär zur "äußersten Zurückhaltung" auf. Die Situation werde weiter genau beobachtet, kündigten die 15 Mitglieder an.

Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge wurden seit Beginn der Proteste mehr als 60 Menschen getötet und rund 2000 festgenommen. Unter den Festgenommenen ist auch Suu Kyi.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. März 2021 um 11:00 Uhr.