Mya Aye (M), ein prominenter Anführer der Studentengruppe der 88er-Generation in Myanmar, wird von seinen Kollegen begrüßt, nach der Freilassung aus einem Gefängnis. 17.11.22 | dpa

Amnestie in Myanmar Militärjunta lässt Tausende Gefangene frei

Stand: 17.11.2022 13:33 Uhr

Die Militärjunta in Myanmar hat offenbar Tausende Inhaftierte freigelassen. Darunter sind auch viele Ausländer wie etwa die frühere britische Botschafterin Bowman. Die ersten von ihnen haben das Land bereits verlassen.

Im Rahmen einer Massenamnestie im südostasiatischen Land Myanmar sind nach Angaben eines Sprechers der Militärjunta mehr als 5700 Gefangene freigekommen. Darunter sind neben Oppositionellen wie dem Aktivisten Mya Aye auch mehrere Ausländer. Sie waren von Gerichten, die von den Generälen kontrolliert werden, zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die ersten von ihnen haben Myanmar bereits verlassen.

Menschenrechtler, Politiker und die Familien hatten sich unermüdlich für ihre Freilassung eingesetzt. Anlass für die Amnestie war der Nationalfeiertag im früheren Birma. Unter den Ausländern ist auch der australische Wirtschaftsprofessor Sean Turnell, die frühere britische Botschafterin in dem Land, Vicky Bowman, ihr Mann Htein Lin und der japanische Journalist Toru Kubota.

Turnell und Bowman seien zunächst nach Bangkok ausgeflogen worden, sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Freigelassenen der Presseagentur dpa. Kubota werde am Freitag zurück in Japan erwartet, erklärte ein Regierungssprecher in Tokio.

Berater der Ex-Regierungschefin ebenfalls frei

Der Australier Turnell ist der frühere Berater der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Er war kurz nach dem Militärputsch vom Februar 2021 festgenommen worden und musste sich wegen eines angeblichen Verstoßes gegen ein Gesetz zu Amtsgeheimnissen vor Gericht verantworten. Ende September war er zu drei Jahren Haft verurteilt worden - zum Entsetzen von Menschenrechtlern in aller Welt. Die australische Regierung hatte immer wieder die Freilassung Turnells gefordert. Auch Professorenkollegen engagierten sich seit vielen Monaten für ihn.

Vicky Bowman war Anfang September wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Ihr myanmarischer Ehemann, der Künstler Htein Lin, wurde der Beihilfe beschuldigt und ebenfalls zu einem Jahr Haft verurteilt.

Im Oktober hatte der japanische Journalist Toru Kubota eine zehnjährige Strafe wegen Volksverhetzung und Verstößen gegen die Kommunikations- und Immigrationsgesetze erhalten. Der Dokumentarfilmer war im Juli festgenommen worden, nachdem er eine Protestaktion in der größten Stadt Yangon (Rangun) gefilmt hatte.

Berichte von Folter und Schauprozessen

Seit dem Putsch und der Entmachtung von Suu Kyi geht das Militär hart gegen jeden oppositionellen Widerstand vor. Immer wieder kommt es zu willkürlichen Festnahmen. Es gibt auch Berichte über schwere Folter in den Gefängnissen. Auch Ausländer sind im Visier der Generäle. Suu Kyi sitzt in einem Gefängnis in Einzelhaft und muss sich wegen immer neuer Vorwürfe vor Gericht verantworten.

Menschenrechtler sprechen von Schauprozessen. Insgesamt sollen nach Angaben lokaler Menschenrechtsgruppen bei Protesten und Auseinandersetzungen mehr als 2000 Menschen getötet und mindestens 14.000 festgenommen worden sein.

Bereits 2021 hatte das Militärregime auf Druck des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) die Freilassung von landesweit mehr als 5600 Gefangenen angeordnet, darunter viele aus dem berüchtigten Insein-Gefängnis in Yangon.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2022 um 11:00 Uhr.