Demonstranten erheben ihre Hände zum Drei-Finger-Gruß, als Zeichen des Widerstands. | dpa

Journalisten in Myanmar Inhaftiert und gefoltert

Stand: 20.12.2021 11:24 Uhr

Die Junta in Myanmar geht mit aller Härte gegen Journalisten vor. Mehr als 100 wurden seit dem Putsch bereits inhaftiert, einer kam kürzlich in Militärgewahrsam ums Leben. Die Journalisten wollen dennoch weiterkämpfen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Seit dem Militärputsch im Februar sehen sich regierungskritische Journalisten in Myanmar zunehmend von Haft und Folter bedroht. Das Militärregime hat seitdem mehr als 100 Journalisten festgenommen und wichtige Nachrichtenagenturen, Fernsehsender und Zeitungen geschlossen.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Es ist schrecklich, was sie den Journalisten antun. Für meinen Vater war es lebensbedrohlich und auch für uns Familienmitglieder. Wir arbeiten auch in diesem Bereich, also mussten wir fliehen", sagt eine junge Frau, die auch als Journalistin arbeitet. Während sie sich in Sicherheit bringen und Myanmar verlassen konnte, sitzt ihr Vater - ein bekannter Reporter - im Gefängnis.

Dabei sind die Journalistin und die Familie geradezu froh, dass der Vater dort sitzt und nicht mehr im Verhörzentrum des Militärs. Denn dort sterben Menschen. Das zeigt der Fall des Journalisten Soe Naing. "Vor einigen Tagen wurde ein Fotojournalist in Militärgewahrsam gefoltert und getötet. Er war ein Freund meines Schwagers", berichtet die Journalistin. Der Mann hatte den stummen Streik dokumentiert, mit dem das ganze Land gegen die Diktatur protestierte.

Bürger-Journalisten berichten über die Lage im Land

Die Landschaft des Journalismus habe sich sehr verändert, und das Militär versuche jeden festzunehmen, der einen Namen hat. Bekannte Reporter stünden auf einer Haftbefehlliste, erzählt die Frau. Diese könnten kaum noch berichten.

Und darum wollen alle dafür sorgen, dass die Machthaber stürzen. "Momentan sind diejenigen, die Videos aufnehmen, Bürger-Journalisten. Wer ein Telefon hat, nimmt auf und schickt es an die Nachrichtenportale", sagt die Journalistin. 

Militärs bedrohen Familien von Journalisten

Auch der Reporter Zaw Zaw bekommt viele Tipps, Videos und Berichte von Bürger-Journalisten. Er arbeitet für das Nachrichtenportal Mizzima - jetzt kann er das wieder, denn er sitzt in Thailand an der Grenze zu Myanmar und nicht mehr im Gefängnis. Dort hatte ihn die Junta von April bis Oktober eingesperrt. Danach verließ er Myanmar und ging über die Grenze.

"Ich bin Journalist, ich muss berichten, aber das konnte ich nach meiner Freilassung nicht mehr, denn ich wurde beobachtet" so Zaw Zaw. "Jederzeit hätte ich wieder verhaftet werden können. Meine Familie wollte ich nicht zurücklassen, denn die Militärs hätten gedroht, dass sie ihnen etwas antun, wenn ich weiterhin berichte. Also bin ich mit meiner Familie über die Grenze." Ein Kollege von ihm, der aus derselben Stadt im Süden Myanmars berichtet hat wie er, wurde ebenfalls festgenommen und tagelang gefoltert.

Menschenrechtsorganisation: 184 Tote durch Folter

Von den 11.000 Menschen, die die Junta seit dem Putsch eingesperrt hat, wurden mindestens 184 zu Tode gefoltert. Das sagt die Organisation für politische Gefangene AAPP. Zaw Zaw weiß, dass er noch Glück hatte. Aber er weiß auch, dass er weiter berichten muss, damit seine Landsleute und die internationale Gemeinschaft erfahren, was in Myanmar passiert.

Vor dem Putsch hätten sich die meisten Menschen im Land eher für alberne Dinge auf Social Media interessiert - das ist nun anders. "Das Militär hat so viele Menschenrechte verletzt und so viel Unrecht begangen, dass die meisten Bürger das nicht mehr ertragen können. Sie wollen die Wahrheit berichten, also kontaktieren sie uns und berichten, was bei ihnen geschieht. Wir versuchen dann, das zu verifizieren - manchmal geht das nicht, dann melden wir es nicht. Aber wir arbeiten alle zusammen, um die Wahrheit zu berichten."

Nur wenn alle Bescheid wissen und die Welt Druck auf Myanmar ausübt, sagt Zaw Zaw, dann können sie irgendwann wieder in Frieden und Freiheit leben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2021 um 15:38 Uhr.