Demonstranten schützen sich mit Schilden gegen das Militär in Yangon. | AFP

Generalstreik in Myanmar Mehrere Tote, Hunderte eingekesselt

Stand: 08.03.2021 19:50 Uhr

In Myanmar eskaliert die Gewalt bei den Protesten gegen die Militärjunta zunehmend. Allein gestern wurden drei Menschen getötet, in Yangon sind etwa 200 Demonstranten von Sicherheitskräften eingekesselt.

Trotz der anhaltenden Gewalt gegen Demonstranten und vielen Todesopfern reißen die Proteste gegen die Militärjunta in Myanmar nicht ab. Nach einem landesweiten Aufruf der Gewerkschaften zum Generalstreik wurden in der nördlichen Stadt Myitkyina mindestens zwei Menschen von Polizisten erschossen, ein weiterer Demonstrant wurde im Ort Pyapon südwestlich der größten Stadt Yangon getötet.

In der größten Stadt des Landes Yangon (früher: Rangun) wurden Hunderte Demonstranten eingekesselt. Im Viertel Sanchaung drohte die Lage zu eskalieren. Trotz nächtlicher Ausgangssperre gingen am Abend Tausende Menschen in zahlreichen Stadtteilen auf die Straße, um einen Rückzug von Polizei und Militär zu fordern.

Scharfe Munition

Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. In Myitkyina eröffnete sie das Feuer mit scharfer Munition auf die Menschen, die zuvor mit Steinen nach den Sicherheitskräften warfen. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Demonstranten zahlreiche Verletzte in Sicherheit brachten. Sanitäter versuchten, blutüberströmte Menschen zu reanimieren.

Gewerkschaften rufen zu Streik auf

Zuvor hatten 18 Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik aufgerufen. "Jetzt ist die Zeit, um unsere Demokratie zu verteidigen", hieß es in dem Aufruf. Zahlreiche öffentlich Bedienstete boykottieren derzeit aus Protest gegen die Junta die Arbeit.

In Yangon waren zahlreiche Geschäfte, Bankfilialen und Fabriken geschlossen. Trotz der Drohung der Militärs versammelten sich in der Wirtschaftsmetropole zahlreiche Menschen zu Protestmärschen.

UN rufen zur Deeskalation auf

Die deutsche Botschaft rief die Einsatzkräfte zu Zurückhaltung auf: "Die Botschaft ist sehr besorgt über Berichte, dass viele junge Leute in Sanchaung und anderen Teilen von Yangon eingeschlossen sind. Wir appellieren dringend an die Sicherheitskräfte, keine Gewalt anzuwenden, keine Bürger festzunehmen und alle Demonstranten umgehend friedlich in ihre Häuser zurückkehren zu lassen." Auch die Vereinten Nationen forderten "eine sofortige Deeskalation".

Die Gefangenenhilfsorganisation AAPP berichtete, dass seit dem Putsch mehr als 60 Menschen getötet worden seien. Etwa 1850 seien zumindest vorübergehend festgenommen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. März 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 20:00 Uhr.