Demonstranten werden in Yangon mit Tränengas zurückgedrängt. | AFP

Generalstreik in Myanmar Polizisten schießen auf Demonstranten

Stand: 08.03.2021 14:05 Uhr

In Myanmar haben Sicherheitskräfte wieder mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen. Laut Augenzeugen starben mindestens zwei Menschen. Viele folgten offenbar dem Aufruf von Gewerkschaften zum Generalstreik.

In Myanmar sind bei Protesten gegen die Militärmachthaber erneut zwei Menschen getötet worden. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei in der nördlichen Stadt Myitkyina seien zwei Demonstranten erschossen worden, sagte ein Arzt der Nachrichtenagentur AFP. Mehrere Menschen seien durch Schüsse verletzt worden, berichten Medien.

Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Sie eröffneten das Feuer mit scharfer Munition auf die Menschen, die zuvor mit Steinen nach den Sicherheitskräften warfen. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Demonstranten zahlreiche Verletzte in Sicherheit brachten. Sanitäter versuchten, blutüberströmte Menschen zu reanimieren.

Zuvor hatten 18 Gewerkschaften zu einem landesweiten Streik aufgerufen. "Jetzt ist die Zeit, um unsere Demokratie zu verteidigen", hieß es in dem Aufruf. Zahlreiche öffentlich Bedienstete boykottieren derzeit aus Protest gegen die Junta die Arbeit.

Blendgranaten auf Demonstranten

In Yangon, der größten Stadt des Landes, waren zahlreiche Geschäfte, Bankfilialen und Fabriken geschlossen. Trotz der Drohung der Militärs versammelten sich in der Wirtschaftsmetropole zahlreiche Menschen zu Protestmärschen.

Anwohner berichteten von massiver Polizei- und Armeepräsenz in den Straßen. Sicherheitskräfte kontrollierten im Zentrum Fahrzeuge, um Demonstranten daran zu hindern, an den Kundgebungen teilzunehmen. Sie setzten demnach auch Blendgranaten ein, um Menschenmengen zu zerstreuen. In der Hauptstadt Naypyitaw schossen Sicherheitskräfte mit Tränengas auf etwa 1000 Menschen. Demonstranten nebelten die Straße mit Feuerlöschern ein, bevor sie flohen.

Auch in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, und in Monywa im Westen gab es Proteste, wie Video-Aufnahmen auf Facebook zeigten. In Dawei, einer Küstenstadt im Süden, wurden Demonstranten von Angehörigen der Karen National Union beschützt, einer bewaffneten ethnischen Gruppe, die seit langem einen Kampf gegen das Militär führt.

Kommen Sanktionen gegen das Militär?

Das Militär hatte sich am 1. Februar an die Macht geputscht und die demokratisch gewählte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi unter Hausarrest gestellt. Seither dauern die Proteste gegen die Junta an, die mit immer härteren Methoden gegen die Demonstranten vorgeht. Nach UN-Angaben starben bislang mehr als 50 Demonstranten.

Die Gewalt gegen die Demonstranten erhöht den Druck auf die internationale Gemeinschaft, mehr Sanktionen gegen die Junta zu verhängen. Die Europäische Union könnte Strafen gegen die direkt Verantwortlichen des Putsches verhängen. Japan gab bekannt, dies zu erwägen. Die USA, Kanada und Großbritannien hatten bereits diverse Auflagen gegen das myanmarische Militär verschärft.

Erste Firmen reagierten bereits. Der schwedische Modehändler H&M, der in Myanmar Bekleidung fertigen lässt, will keine weiteren Aufträge an Firmen in dem Land geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. März 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.