Soldaten marschieren auf eine Demonstration gegen die Militärjunta zu.  | AP

Gewalt in Myanmar Auswärtiges Amt empfiehlt Ausreise

Stand: 31.03.2021 11:35 Uhr

Seit dem Putsch Anfang Februar sind in Myanmar mindestens 510 Menschen durch die Gewalt des Militärs getötet worden. Das Auswärtige Amt empfiehlt deshalb allen Deutschen, baldmöglichst auszureisen.

Angesichts der zunehmenden Gewalt in Myanmar hat das Auswärtige Amt allen Deutschen die baldmöglichste Ausreise aus dem asiatischen Land empfohlen. "Eine nochmals zunehmende Gewaltanwendung durch die Sicherheitskräfte und wachsende Unberechenbarkeit der Sicherheitslage kann nicht ausgeschlossen werden", heißt es auf der Internetseite der Behörde.

Daher werde "dringend empfohlen", auszureisen, solange kommerzielle Flüge noch verfügbar seien. Gleichzeitig wurde empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden.

US-Regierung ruft einige Diplomaten zurück

Die US-Regierung hat derweil die Ausreise von nicht-essentiellem diplomatischen Personal aus Myanmar angeordnet. Die bereits Mitte Februar ausgesprochene Empfehlung zu einer "freiwilligen Ausreise" sei damit "zu einer angeordneten Ausreise aktualisiert" worden, teilte das US-Außenministerium mit. Zudem wurde die allgemeine Reisewarnung für Myanmar bekräftigt.

Die Sicherheit des US-Regierungspersonals und seiner Angehörigen sei "die höchste Priorität des Ministeriums", sagte ein Sprecher. Die Botschaft bleibe für die Öffentlichkeit aber weiterhin geöffnet und biete in begrenztem Umfang auch weiterhin konsularische Dienstleistungen an. 

UN beschäftigen sich mit Gewalt gegen Demonstranten

Der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich heute in einer Dringlichkeitssitzung mit der jüngsten Gewalt gegen friedliche Demonstranten in Myanmar. Die Sitzung hinter verschlossenen Türen findet nach Angaben aus Diplomatenkreisen auf Antrag Großbritanniens statt. Zu Beginn wird demnach ein Bericht zur Lage in dem südostasiatischen Land von der UN-Sondergesandten Christine Schraner Burgener erwartet.

Angesichts der brutalen Unterdrückung von Demonstranten forderte UN-Generalsekretär António Guterres die internationale Gemeinschaft zu mehr Einigkeit gegenüber der Militärjunta auf. "Es ist absolut inakzeptabel, Gewalt gegen Menschen von einem derartigen Ausmaß zu sehen, so viele tote Menschen", sagte Guterres.

Aung San Suu Kyi darf mit Anwältin sprechen

Myanmars entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi durfte erstmals mit einer Anwältin ihres Verteidigungsteams sprechen. Die junge Juristin Min Min Soe sei von den Behörden aufgefordert worden, auf die Polizeiwache zu kommen. Dort sei ein virtuelles Gespräch zwischen ihr und Aung San Suu Kyi arrangiert worden, teilte Khin Maung Zaw, ein anderer Anwalt der 75-Jährigen, der Nachrichtenagentur dpa mit. Der entmachteten Regierungschefin gehe es dem Anschein nach körperlich gut.

Während des Gesprächs sei sie von Wachpersonal beaufsichtigt worden, so Khin Maung Zaw. Wo Aung San Suu Kyi sich aufhält, ist weiterhin unklar. Seit dem Umsturz von Anfang Februar wurde sie nicht mehr öffentlich gesehen. Die Justiz beschuldigt die frühere Freiheitsikone mehrerer Vergehen. Darunter geht es um Verstöße gegen die Außenhandelsgesetze im Zusammenhang mit in ihrem Haus gefundenen Funkgeräten. Zudem wird ihr vorgeworfen, gegen die Corona-Bestimmungen verstoßen zu haben. Am schwersten wiegt bislang der Vorwurf, "Anstiftung zum Aufruhr" betrieben zu haben. Zuletzt wurden auch Korruptionsvorwürfe ins Spiel gebracht.

Mindestens 510 Tote seit Militärputsch

In Myanmar hatte das Militär Anfang Februar geputscht, die Zivilregierung abgesetzt und deren Mitglieder großteils festgesetzt. In den landesweiten Protesten gegen die Militärs sind die Sicherheitskräfte zuletzt mit zunehmender Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen.

Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind bislang mindestens 510 Menschen durch die Gewalt des Militärs getötet worden. Beobachter gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Das brutale Vorgehen der Armee sorgt auch international für immer größeres Entsetzen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. März 2021 um 08:04 Uhr.