Ni Lar Thein (Mitte), der Anführer der "88 Generation Peace and Open Society Group" bei einer Demonstration gegen den Militärputsch in Yangon. | AFP

Proteste gegen Militärputsch UN besorgt um Menschen in Myanmar

Stand: 17.02.2021 11:52 Uhr

Sie strafen die Behauptung der Militärregierung Lügen: Tausende Menschen sind in Myanmar wieder auf die Straße gegangen, um gegen den Putsch zu protestieren. Die UN fürchten um Sicherheit und Leben der Demonstrierenden.

Zweieinhalb Wochen nach dem Putsch in Myanmar haben sich erneut Tausende Demonstrierende versammelt. Allein in der früheren Hauptstadt Yangon seien mehrere Zehntausend auf den Straßen, berichtete das Magazin "Irrawaddy".

Die Militärregierung hatte zuvor verkündet, dass es in der Bevölkerung große Unterstützung für die Machtübernahme durch die Armee gebe. Der gewählte Abgeordnete von der abgesetzten Regierungspartei NLD, Sithu Maung, rief der jubelnden Menge in der Metropole Yangon zu: "Wir sind hier und zeigen, dass wir nicht zu den 40 Millionen gehören, von denen sie gesprochen haben."

Demonstranten zeigen den Dreifingergruß während eines Protestes gegen den Militärputsch in Rangoon, Myanmar |

Demonstranten zeigen den Dreifingergruß während eines Protestes gegen den Militärputsch in Yangon, Myanmar.

Der Sprecher der Militärregierung, Brigadegeneral Zaw Min Tun, hatte am Dienstag erklärt, 40 Millionen der 53 Millionen Einwohner Myanmars unterstützten das Vorgehen des Militärs. Die Armee hatte am 1. Februar die Regierung gestürzt und De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi festgenommen. Deren Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) rief zu Großkundgebungen im ganzen Land auf.

UN-Beauftragter fürchtet Gewalt durch Soldaten

Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, Tom Andrews, warnte vor einer neuen Eskalation mit drastischen Folgen für die demonstrierende Bevölkerung. Er befürchtet aktuell ein noch größeres Gewaltpotenzial als bisher seit der illegalen Machtübernahme am 1. Februar. Ihm lägen Informationen darüber vor, dass Soldaten aus dem Umland unter anderem nach Yangon geschickt würden:

In der Vergangenheit gingen Truppenbewegungen dieser Art Morden, gewaltsamem Verschwinden und Verhaftungen in großem Ausmaß voraus.

Man stehe möglicherweise an einem Abgrund für noch größere Verbrechen gegen die Menschen in Myanmar.

Das Militärregime hat schon wiederholt auf Teilnehmer von Kundgebungen schießen lassen, auch wurden Hunderte Personen verhaftet. Die "Vereinigung zur Unterstützung politischer Gefangener" (AAAP) sprach von mindestens 452 Festnahmen seit dem Putsch. 417 Menschen seien weiter inhaftiert.  

Offenbar weitere Anklage gegen Suu Kyi

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der gestürzten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi offenbar eine zweite Klage durch die Junta droht. Ihr wird demnach ein Verstoß gegen das nationale Katastrophenschutzgesetz vorgeworfen. Kurz nach dem Umsturz wurden Suu Kyi bereits Verstöße gegen Importgesetze vorgeworfen, wonach sie illegale Funkgeräte besitzen solle.  

Die Karte zeigt Myanmar |

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2021 um 12:00 Uhr.