Meng Wanzhou winkt am Flughafen in Shenzhen ihren Fans. | dpa

Huawei-Managerin Propaganda-Empfang für Meng in China

Stand: 26.09.2021 09:27 Uhr

Die Huawei-Managerin Meng ist zurück in China - und wird von den Staatsmedien als Volksheldin inszeniert. Die Freilassung zweier Kanadier wird indes nicht erwähnt. Kritiker sprechen von "Geiseldiplomatie".

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Hunderte Menschen versammelten sich am Abend am Flughafen der südchinesischen Stadt Shenzhen, um Meng Wanzhou zu empfangen. Videos zeigen fahnenschwingende Frauen und Männer, die die chinesische Nationalhymne singen.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

"Tausend Tage Tortur" in Villa-Hausarrest

Nachdem die Finanzchefin des Technologie-Konzerns Huawei winkend und fröhlich lächelnd aus dem Flugzeug gestiegen war, hielt noch auf dem Rollfeld eine kurze Rede. "Nach mehr als Tausend Tagen Tortur bin ich in den Schoß des Vaterlands zurückgekehrt. Die lange Wartezeit in einem fremden Land war voller Kampf und Leid," sagte Meng, die in einem roten Kleid vor die Kameras getreten war, der chinesischen Farbe des Glücks und auch der regierenden Kommunistischen Partei.

Die chinesischen Staatsmedien übertrugen die triumphal und nationalistisch inszenierte Ankunft Mengs online und im Fernsehen. Nach Angaben der staatlichen Propagandazeitung Huanqiu Shibao alias Global Times verfolgten mehr als 60 Millionen Menschen in der Volksrepublik die Ankunft der Managerin.

Konzertbesuche und Shoppingtouren

Meng war Ende 2018 in Kanada wegen eines Haftbefehls der US-Justiz festgenommen worden. Der Vorwurf: Sie soll dabei geholfen haben, amerikanische Sanktionen gegen die Führung Irans zu umgehen. Meng wurde kurz darauf unter Hausarrest gestellt und wartete seitdem in einer ihrer beiden Villen in der westkanadischen Stadt Vancouver auf eine mögliche Auslieferung in die USA. Die 49-Jährige musste eine elektronische Fußfessel tragen, genoss aber viele Freiheiten; so wurde Meng immer wieder bei Konzertbesuchen und ausgiebigen Shoppingtouren fotografiert.

Nach ihrer Rückkehr nach China am Abend dankte sie wortreich dem chinesischen Staats- und Regierungschef Xi Jinping. Er sorge sich um die Sicherheit jedes einzelnen chinesischen Bürgers, "auch um meine, und er hat meine Notlage nicht aus den Augen verloren. Ich danke dem großen Vaterland, dem Volk, der Fürsorge der Kommunistischen Partei, der Regierung und den Menschen, die sich um mich gesorgt haben."

Frau Meng Wanzhou winkt als sie bei Ankunft auf dem Flughafen aus dem Flugzeug steigt.

Pathetisch bedankte sich Meng bei "Vaterland, Volk und dem Vorsitzenden Xi".

Festnahme zweier Kanadier als Vergeltung

Ganz offensichtlich als Vergeltung, um die Huawei-Managerin freizupressen, hatte Chinas Staats- und Parteiführung ebenfalls Ende 2018 zwei Kanadier festnehmen lassen: den Geschäftsmann Michael Spavor und den früheren kanadischen Diplomaten Michael Kovrig. Die beiden wurden wegen Spionage angeklagt und saßen fast drei Jahre lang unter menschenunwürdigen Bedingungen in China in Isolationshaft.

Nach einem juristischen Deal mit der US-Justiz konnte Meng Kanada am Freitag verlassen. Nur kurz darauf wurden in China Spavor und Kovrig in ein Flugzeug der kanadischen Regierung gesetzt und verließen China in Richtung Kanada. Diplomaten der beteiligten Staaten hatten in den vergangenen Jahren hinter den Kulissen nach einer gesichtswahrenden Lösung für alle Seiten gesucht.

Chinas "Geiseldiplomatie"

Menschenrechtsgruppen  sprechen nun von "erfolgreicher Geiseldiplomatie" der Kommunistischen Staatsführung. Diese hatte immer wieder behauptet, es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Fällen Meng, Kovrig und Spavor.

Aus Sicht westlicher Diplomaten und Menschenrechtsgruppen beweisen die Geschehnisse der vergangenen Stunden das Gegenteil. Die Freilassung der beiden Kanadier nur Stunden nach Mengs Hausarrest-Ende zeige, dass "Chinas Führung bereit ist, unschuldige Menschen als Faustpfand zu nehmen, um sich in anderen Staaten das zu holen, was sie will," sagte Sophie Richardson, die China-Direktorin von Human Rights Watch (HRW). "Das ist eine beunruhigende Entwicklung."

Fall als Propaganda ausgeschlachtet

Die chinesischen Staatsmedien inszenieren die Rückkehr Meng als Sieg der Staats- und Parteiführung gegen die westliche Welt. Die englischsprachige "China Daily" schreibt, Meng sei in Kanada festgenommen worden, weil China eine aufstrebende Macht sei - und genau deswegen habe man Meng nun wieder freigelassen.

Über die Tatsache, dass die Huawei-Managerin de facto ausgetauscht wurde gegen die beiden in der Volksrepublik inhaftierten Kanadier verlieren die Medien in China bisher kein Wort.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. September 2021 um 09:08 Uhr.