Außenminister Heiko Maas spricht auf einer Pressekonferenz in Doha, Katar. | AP

Afghanistan Maas für Verhandlungen mit den Taliban

Stand: 31.08.2021 20:40 Uhr

Um weitere Instabilität in Afghanistan zu vermeiden, muss die Bundesregierung nach Ansicht von Außenminister Maas auch mit den Taliban verhandeln. Zudem deutete er die Bereitschaft zur Wiederbesetzung der deutschen Botschaft in Kabul an.

Außenminister Heiko Maas hält Verhandlungen mit den radikal-islamischen Taliban für unausweichlich. Es führe "überhaupt kein Weg vorbei an Gesprächen mit den Taliban", sagte Maas bei einem Treffen mit dem katarischen Außenminister, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani.

Man könne sich Instabilität in Afghanistan nicht leisten, so Maas. Es gehe derzeit "nicht um die formalen Anerkennungsfragen", sondern um ganz praktische Themen. Die Bundesregierung fordere die Bildung einer inklusiven Regierung. "Wer erwartet, dass die internationale Gemeinschaft hilft, der muss auch sehen, dass die internationale Gemeinschaft auch gewisse Voraussetzungen dafür fordert."

"Katar hat führende Rolle bei Evakuierungen übernommen"

Zudem deutete Maas die Bereitschaft zur Wiederbesetzung der deutschen Botschaft in Kabul an. "Wenn es politisch möglich wäre und die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine Botschaft haben." Es gebe ein großes Bedürfnis nach diplomatischer Präsenz. "Wir brauchen die Kontakte", sagte Maas. Alles sei aber abhängig von der politischen Entwicklung.

Zudem dankte der Außenminister Katar für seine Hilfe bei den Evakuierungen aus Afghanistan. "Katar hat in einer äußerst schwierigen Lage eine führende Rolle bei den Evakuierungen übernommen", sagte Maas. Der Wüstenstaat habe auch eine große Rolle bei der Organisation des Flughafens in Kabul gespielt.

Der katarische Außenminister warnte vor einer Isolierung Afghanistans. "Isolation ist keine Antwort. Aber Anerkennung ist keine Priorität für uns", sagte Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Than. Katar und die radikal-islamischen Taliban pflegen bereits seit Jahren Kontakt. Katar erlaubte den Taliban im Jahr 2013, ein Büro in Doha zu eröffnen - auch auf Wunsch der USA hin, um dort mit Vertretern der Terrormiliz verhandeln zu können.

Merkel will an Evakuierung der Ortskräfte festhalten

Nach dem endgültigen Abzug der letzten US-Truppen aus Afghanistan hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut betont, dass die Evakuierungen aus dem Land noch nicht abgeschlossen seien. "Deutschland hat noch eine Vielzahl an Ortskräften, die wir aus Afghanistan herausbringen wollen", sagte Merkel. Man fühle sich den Ortskräften verpflichtet.

Merkel bezifferte die Menschen, die in Deutschland aufnahmeberechtigt, aber noch nicht aus Afghanistan ausgereist seien, auf bis zu 40.000. Man müsse nun erst einmal sichten, wie viele von ihnen überhaupt das Land verlassen wollten, so die Bundeskanzlerin. Das werde auch von den Umständen abhängen, die die Taliban im Land schaffen.

"Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat", betonte Merkel. Möglichst viele Flüchtlinge müssten die Möglichkeit erhalten, in der Nähe humanitär versorgt zu werden. Man werde sich daher in der Region engagieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. August 2021 um 18:00 Uhr.