Kabul: Außenminister Heiko Maas auf dem Fluglandeplatz.  | dpa

Maas in Afghanistan Deutsche Hilfe auch nach Truppenabzug

Stand: 29.04.2021 16:25 Uhr

Zwei Tage vor dem offiziellen Start des NATO-Truppenabzugs hat Bundesaußenminister Maas Afghanistan besucht. Dort dankte er der Bundeswehr für ihren Einsatz und sagte dem Land auch für die Zeit nach dem Abzug Hilfe zu.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat Afghanistan bei einem Besuch in der Hauptstadt Kabul weitere Unterstützung für die Zeit nach dem NATO-Truppenabzug zugesagt. "Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner an der Seite der Menschen in Afghanistan", sagte der SPD-Politiker nach seiner Ankunft. Der Militäreinsatz ende, "doch wir setzen in allen anderen Bereichen unser Engagement fort", sagte der Minister. "Darum bin ich heute in Kabul vor Ort."

Der Minister äußerte die Hoffnung, dass die radikalislamische Taliban den am 1. Mai beginnenden Abzug internationaler Soldaten nicht zu Anschlägen nutzen werde. "Es gibt hoffnungsvolle Signale", dass die Gewalt dann nicht zunehmen werde, sagte er. Der Politiker dankte auch den Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten für den jahrelangen Einsatz im Land: "Hier ist vieles erreicht worden. Und das hat auch etwas damit zu tun, dass die deutsche Bundeswehr dafür gesorgt hat, dass es hier mehr Sicherheit gibt."

Als Erfolge der letzten 20 Jahre nannte Maas die Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung, den Bau von Schulen für Mädchen und die Verbesserung der Frauenrechte insgesamt. Was in den vergangenen 20 Jahren auch dank der internationalen Truppen aufgebaut worden sei, habe das Land "weit vorangebracht". "Deshalb ist das nicht umsonst gewesen." Er setze darauf, dass auch die Taliban kein Interesse daran haben könnten, dass Afghanistan wieder ins Chaos versinke.

Engagement für Verhandlungen mit den Taliban

Maas besucht Afghanistan nur zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des NATO-Truppenabzugs. In Kabul wollte er unter anderen Präsident Aschraf Ghani treffen und anschließend das Bundeswehrcamp in Masar-i-Scharif im Norden des Landes besuchen. Die Visite findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.

Im Mittelpunkt der Gespräche in Kabul sollte schon die Zeit nach dem Abzug stehen. Maas versprach, dass Deutschland die derzeit stockenden Friedensverhandlungen der afghanischen Regierung mit den Taliban weiter unterstützen werde. "Der Friedensprozess braucht einen neuen diplomatischen Push", sagte er. "Es gibt keine einfache Verhandlungslösung, dennoch bleiben die Verhandlungen die beste Chance auf eine nachhaltige, sichere und stabile Zukunft des Landes."

Die NATO-Staaten hatten vor wenigen Wochen beschlossen, im Mai mit dem vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan zu beginnen. Dieser soll im Herbst abgeschlossen sein. Deutschland möchte dabei sogar noch schneller sein: Bis zum 4. Juli sollten die Bundeswehr-Soldaten möglichst zurückgeholt werden. Von den 1100 deutschen Soldaten sind etwa 100 in Kabul und rund 1000 nahe der nordafghanischen Metropole Masar-i-Scharif stationiert. Das dortige Camp Marmal ist der größte Bundeswehr-Stützpunkt außerhalb Deutschlands.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2021 um 13:00 Uhr.