Najib Mikati auf dem Weg zum libanesischen Präsidenten Michel Aoun im Präsidentenpalast in Baabda. | REUTERS

Libanon Mit neuer Regierung gegen die Krise

Stand: 10.09.2021 14:32 Uhr

13 Monate nach dem Rücktritt der Regierung hat der Libanon eine neue Führung: Auf den künftigen Ministerpräsidenten Mikati und sein Kabinett warten schwierige Aufgaben. Das Land steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte.

Mehr als ein Jahr nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat der Libanon eine neue Regierung: Die Einigung wurde nach einem Treffen zwischen dem designierten Ministerpräsidenten Nadschib Mikati und Präsident Michel Aoun im Präsidentenpalast von Baabde verkündet.

Nadschib Mikati, saudisch-libanesischer Milliardär und zweifacher früherer Ministerpräsident, war als dritter Kandidat mit der Regierungsbildung beauftragt worden, nachdem zwei Politiker, darunter der frühere Ministerpräsident Saad Hariri, an der Aufgabe gescheitert waren. Rivalitäten zwischen den führenden politischen Kräften des Libanon hatten bisher die Bildung eines neuen Kabinetts verhindert.

Libanon in schlimmster Krise seiner Geschichte

Auf Mikati und das übrige Kabinett wartet eine schwierige Aufgabe: Das Land befindet sich infolge der Explosionskatastrophe und der folgenden 13 Monate ohne Regierung derzeit in der schlimmsten Krise seiner Geschichte.

Am 4. August 2020 waren im Hafen von Beirut hunderte Tonnen Ammoniumnitrat in einem Lagerhaus detoniert. Die Explosion machte ganze Stadtteile der libanesischen Hauptstadt dem Erdboden gleich, mehr als 200 Menschen kamen ums Leben.

Daraufhin war die Regierung des libanesischen Regierungschefs Hassan Diab zurückgetreten. Die Folgen der Explosion und das politische Chaos verschärften die bereits seit 2019 herrschende Wirtschaftskrise und ließen sie zu einer der schwersten weltweit seit 1850 werden.

Benzin- und Medizin-Engpässe

Das Land kämpft unter anderem mit Benzin- und Medikamenten-Engpässen, einer galoppierenden Inflation und hoher Arbeitslosigkeit. 78 Prozent der Bevölkerung leben laut UN unter der Armutsgrenze. Die libanesische Lira hat mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren. Der bankrotte Staat kann auch zahlreiche Subventionen und Importe nicht mehr finanzieren.

Die internationale Gemeinschaft hat Hunderte Millionen Euro zur Unterstützung zugesagt - unter der Bedingung, dass der Libanon eine Regierung bekommt, die in der Lage ist, notwendige Reformen umzusetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2021 um 14:00 Uhr.