Libanesische Rettungskräfte stehen vor einem explodierten Treibstofflager in der Stadt Akkar.

Versorgungskrise im Libanon Mindestens 20 Tote nach Treibstoff-Explosion

Stand: 15.08.2021 08:36 Uhr

Bei einer Explosion von Treibstoffvorräten im Norden des Libanon sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Das Rote Kreuz Libanon twitterte, es habe 20 Leichen nach der Explosion in Akkar in Kliniken transportiert. 79 Menschen seien verletzt worden. Der libanesische Sender MTV meldete, es sei ein Treibstoffdepot detoniert. Zunächst hatte es geheißen, Tanklaster sei explodiert. Die Ursache für die Explosion ist bislang unklar.

MTV zufolge werden noch Menschen vermisst. Der Sender zeigte Bilder von Menschen mit schweren Brandverletzungen. Ein Reporter berichtete, es seien viele Menschen am Ort der Explosion gewesen, die versucht hätten, Treibstoff zu bekommen. Der libanesische Gesundheitsminister Hamad Hassan appellierte an alle Krankenhäuser im Norden und in Beirut, Verletzte aufzunehmen. Die Regierung werde deren Behandlungskosten übernehmen.

Kaum Treibstoff im Land

Der Libanon leidet derzeit unter einer schweren Versorgungskrise. Vor gut einem Jahr waren bei einer gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut mehr als 190 Menschen getötet und rund 6000 verletzt worden. Große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden zerstört. Die Inflationsrate liegt bei 120 Prozent, für Lebensmittel noch höher. Die Währung hat mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Die Lage hat sich in den den vergangenen Tagen weiter verschärft. Unter anderem fehlt es an Treibstoff für Stromproduktion und Verkehr. Lieferengpässe haben auch zum Horten von Treibstoff geführt. Die Armee bezog zuletzt Stellung an den Tankstellen des Landes und beschlagnahmte Tausende Liter Benzin und Diesel.

Vor den geschlossenen Tankstellen bildeten sich lange Schlangen; Menschen warteten über Stunden vergeblich darauf, tanken zu können. Seit Wochen müssen die Menschen im Land täglich über Stunden auch ohne Strom auskommen. In Apotheken mangelt es an lebenswichtigen Medikamenten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. August 2021 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.