Ein israelischer Mitarbeiter des Gesundheitswesens injiziert einem Kind eine Spritze mit dem Impfstoff COVID-19 in Jerusalem. | EPA

Kinder-Impfungen in Israel Mit mobilen Teams in die Schulen

Stand: 15.12.2021 17:51 Uhr

Seit November werden Kinder in Israel gegen Corona geimpft. Die Nachfrage ist allerdings nicht besonders hoch. Deshalb kommen nun Impfteams in die Schulen. Man hofft, so die Quote nach oben zu treiben.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

"Wohin möchtest Du die Spritze?", fragt der Sanitäter den kleinen Jungen. "In den linken Arm oder mehr in die Schulter?" "Da wo es weniger wehtut", sagt der Junge. "Eine sehr kluge Antwort", lobt der Sanitäter.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Es ist kurz nach acht Uhr morgens in einer Grundschule in Ramla, eine halbe Autostunde von Tel Aviv entfernt. Ein knappes Dutzend Schülerinnen und Schüler hat Netanel Eitan, Rettungssanitäter der Hilfsorganisation Magen David Adom, nun schon geimpft. "Die Nachfrage ist gut", sagt Eitan. "Es ist der erste Tag, an dem wir in den Schulen sind, und die Kinder kommen - zum Teil mit den Eltern, zum Teil allein mit deren Erlaubnis. Wir hoffen, dass es mehr werden. Wir stehen erst am Anfang der Kampagne."

Mobile Teams in den Schulen

Mitte November begann die Impfkampagne für Fünf- bis Elfjährige in Israel. Zunächst wurden die Impfungen vor allem in den Gesundheitszentren der Krankenkassen angeboten. Die Nachfrage war allerdings nicht sehr groß: Drei Wochen nach Start der Kampagne waren nach offiziellen Angaben nur 13 Prozent der 1,2 Millionen Kinder in der betroffenen Altersgruppe erstgeimpft.

Nun sollen mobile Teams in den Schulen dabei helfen, die Quote hoch zu treiben. "Wir haben hier 480 Schülerinnen und Schüler", sagt Dorit Nevo, die Schulleiterin in Ramla: "Heute lassen sich zwischen 20 und 25 Kinder impfen. Das sind nicht viele, aber ich denke, nach dem Start heute werden sich mehr Eltern für die Impfung entscheiden, weil sie erkennen, dass es nicht weh tut und keine Nebenwirkungen auftreten."

Viele Eltern sind vorsichtig

In Umfragen vor Beginn der Impfkampagne gaben nur 40 bis 50 Prozent der Eltern an, ihre Kinder impfen lassen zu wollen. Viele Eltern seien vorsichtig, sagt Schulleiterin Dorit: "Die meisten Eltern warten ab, um zu sehen, wie die Impfung bei den Kindern ankommt. Zurzeit haben wir hier keine Kinder, die infiziert sind und deswegen gibt es auch keinen Druck zum Impfen zu gehen und keine Hysterie unter den Eltern."

Impfquote unterschiedlich

Israels Gesundheitsministerium teilte mit, dass die Impfquote unter Kindern aus sozial besser gestellten Ortschaften höher sei als in ärmeren Städten und Dörfern. Außerdem sei die Impfskepsis unter streng-religiösen jüdischen Eltern oder arabischen Israelis stärker verbreitet als im Bevölkerungsdurchschnitt. Ein einflussreicher ultra-orthodoxer Rabbiner erhielt Morddrohungen - nachdem er für Kinderimpfungen geworben hatte.

Werbung für Kinderimpfungen

Ramla allerdings ist keine streng religiöse und auch keine reiche Stadt. 90 Prozent der Kinder an der Schule kommen aus russischen Einwandererfamilien. Wir sprechen mit einem Mann, der seinen Sohn zur Erst-Impfung begleitet hat: "Viele Menschen glauben an Verschwörungstheorien oder anderes - aber wir haben es uns gut überlegt und glauben an das, was wir tun. Mein Eindruck ist, dass die Leute, die gegen eine Impfung sind, eigentlich nicht genügend Informationen haben und nur das tun, was der Nachbar ihnen sagt", meint er.

Israels Regierungspolitiker und Gesundheitsexperten werben unermüdlich für die Kinderimpfungen und verweisen auf steigende Infektionszahlen unter den Fünf- bis Elfjährigen sowie auf die Risiken durch die Omikron-Variante. Bisher aber zeichnet sich kein starker Anstieg der Impfquote ab - das Angebot an den Schulen soll auch deshalb ausgeweitet werden.

        

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. November 2021 um 23:18 Uhr.