Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: dpa

Nordkoreas Machthaber Kim ist nun auch "Generalsekretär"

Stand: 11.01.2021 10:33 Uhr

Kim Jong Un sitzt seiner Partei künftig als Generalsekretär vor - wie bereits sein Vater. Experten sehen den symbolischen Akt des Machthabers Nordkoreas als Versuch, in schwierigen Zeiten Autorität zu wahren.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich von seiner Partei mit dem neuen Titel des Generalsekretärs ausstatten lassen. Bei einem Kongress der von ihm geführten Arbeiterpartei wurde Kim "einstimmig" dieser Titel verliehen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Der neue Titel ist weitgehend symbolischer Natur, da Kim ohnehin seit 2016 Vorsitzender der Partei ist, was inhaltlich dem Titel des Generalsekretärs entspricht. In der Änderung sehen Experten einen Schritt zur Stärkung seiner Autorität. Den Titel des Generalsekretärs hatte auch sein Vater, der im Jahr 2011 verstorbene Machthaber Kim Jong Il, getragen. Dieser behielt den Titel auch posthum. 

Nordkoreas Wirtschaft leidet unter den Sanktionen

Als Kim Jong Un vor fünf Jahren zum Vorsitzenden der Arbeiterpartei gewählt worden war, habe der junge Machthaber zunächst ein Image angestrebt, das sich von dem seines Vaters unterschied, indem er sich einen anderen Titel habe verleihen lassen, sagte der Forscher Ahn Chan Il vom Weltinstitut für Nordkorea-Studien in Seoul. Nun sehe es so aus, als wolle er die Verbindung zu seinem Vater betonen, um seine Machtposition "in schwieriger Zeit zu konsolidieren".

Die nordkoreanische Wirtschaft leidet schwer unter den internationalen Sanktionen, die wegen des Atom- und Raketenprogramms gegen das Land in Kraft sind. Die ökonomischen Probleme werden noch durch die Abschottungsmaßnahmen verschärft, die sich das Land in der Corona-Pandemie selbst auferlegt hat.

Kim räumt Fehler ein - und droht den USA

Kim hatte zu Auftakt des Parteikongresses am vergangenen Mittwoch Fehler bei der Umsetzung des Fünf-Jahres-Plans für die Wirtschaft eingeräumt. Fast alle Bereiche seien "weit" hinter den gesteckten Zielen zurückgeblieben.

Handschlag zwischen Trump und Kim in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea | Bildquelle: REUTERS
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2019 waren Trump und Kim einander noch wohlgesonnen. Das letzte Gipfeltreffen in Hanoi scheiterte jedoch.

Kim hatte in den vergangenen Jahren auf eine Annäherung an US-Präsident Donald Trump gesetzt, um eine Aufhebung von Sanktionen zu erreichen. Das letzte Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Februar 2019 in Hanoi scheiterte jedoch.

Seitdem liegen die Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang über einen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms auf Eis.

Am Samstag bezeichnete Kim dann bei dem Parteikongress die USA als den "größten Feind" seines Landes und kündigte eine Fortsetzung des Atom- und Raketenprogramms an. Dies war als Botschaft an den künftigen US-Präsidenten Joe Biden zu verstehen, der sein Amt am 20. Januar antritt.

Kim Yo Jong | Bildquelle: dpa
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Kim Yo Jong, die Schwester des Machthabers, scheint nicht mehr Mitglied des Politbüros zu sein.

Kims Schwester hat Posten verloren

Für Spekulationen sorgte der Status von Kims einflussreicher Schwester Kim Yo Jong. Auf einer neu veröffentlichten Liste der Mitglieder des mächtigen Politbüros fehlte ihr Name. Seit letztem Jahr war sie dort Ersatzmitglied. Im Zentralkomitee der Partei ist die 32-Jährige dagegen weiterhin vertreten.

Warum Kim ihren Posten im Politbüro verlor, ist derzeit unklar. Angesichts ihrer Zugehörigkeit zur Herrscherfamilie Kim warnten manche Beobachter vor Spekulationen, ihr politischer Einfluss könnte geschwunden sein.

Parteitag in Nordkorea: Neuer Titel für Machthaber Kim
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
11.01.2021 10:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Januar 2021 um 06:43 Uhr.

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