Truppen auf dem Hauptplatz von Almaty, Kasachstan. | REUTERS

Unruhen in Kasachstan Zahl der Todesopfer steigt auf 225

Stand: 15.01.2022 19:40 Uhr

Nach den gewaltsamen Unruhen in Kasachstan haben die Behörden ihre Angaben zur Zahl der Toten deutlich erhöht. Es seien 225 Menschen ums Leben gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Mehr als 4300 Menschen wurden verletzt.

Bei den gewaltsamen Protesten in der kasachischen Millionenstadt Almaty und in anderen Landesteilen sind nach Behördenangaben insgesamt 225 Menschen getötet worden. "Während des Ausnahmezustands wurden die Leichen von 225 Menschen in die Leichenhallen eingeliefert", sagte ein Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft.

Die kasachischen Behörden hatten zuvor von mindestens 164 Toten gesprochen. Diese Zahl wurde vom Informationsministerium später aber wieder zurückgezogen.

"Bewaffnete Banditen" unter den Opfern

Unter den Opfern waren demnach 19 Angehörige von Sicherheitskräften. Auch seien unter den Getöteten "bewaffnete Banditen" gewesen, "die an terroristischen Anschlägen beteiligt waren", sagte der leitende Staatsanwalt Serik Schalabajew. "Leider sind auch Zivilisten Opfer von Terrorakten geworden." Die Zahl der Toten könne sich noch erhöhen.

Mehr als 4300 Menschen wurden demzufolge verletzt. Nach Angaben einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums wurden mehr als 2600 Menschen in Krankenhäusern behandelt, 67 befinden sich demnach weiterhin in einem ernsten Zustand.

Anstieg des Gaspreises als Auslöser der Unruhen

Nach Schalabajews Angaben hatten sich etwa 50.000 Menschen den gewaltsamen Protesten angeschlossen. Höhepunkt war der 5. Januar, als Menschenmengen in mehreren Städten Regierungsgebäude, Banken, Autos und Geschäfte anzündeten.

Die Proteste hatten sich zu Jahresbeginn am Anstieg der Treibstoffpreise entzündet. Staatschef Kassym-Schomart Tokajew Tokajew hatte mit Härte durchgegriffen und einen Schießbefehl erteilt. Nach Klagen über Folter von Verdächtigen ordnete er an, die Polizei solle Übergriffe vermeiden und die Strafverfolger sollten nachsichtig mit jenen sein, die keine schweren Verbrechen begangen hätten.

OVKS-Truppen werden abgezogen

Die Lage im Land hatte sich in den vergangenen Tagen durch einen von Russland geführten Militäreinsatz der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) stabilisiert. Die dafür ins Land gelassenen Soldaten aus Russland, Belarus, Armenien, Tadschikistan und Kirgistan verlassen Kasachstan nach und nach. Der Abzug soll bis kommenden Mittwoch abgeschlossen werden.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko dankte bei einem Auftritt vor den Soldaten für einen erfolgreichen Einsatz in Kasachstan. Er teilte auch mit, dass er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Entscheidung über die OVKS-Mission in der ersten Januarwoche innerhalb einer Stunde getroffen habe.