Ein russischer Soldat der OVKS-Truppen bei der offiziellen Zeremonie zum Beginn des Abzugs aus Kasachstan. | AP

Kasachstan Militärbündnis beginnt mit Abzug

Stand: 13.01.2022 09:59 Uhr

Das von Russland angeführte Militärbündnis sieht seine Mission erfüllt und zieht seine Truppen wieder aus Kasachstan ab. Nach den tödlichen Zusammenstößen scheint sich die Lage zu beruhigen. Unklar bleibt das Schicksal der Festgenommen.

Eine Woche nach der Verlegung seiner Truppen in die von blutigen Unruhen erschütterte Ex-Sowjetrepublik Kasachstan hat das von Russland angeführte Militärbündnis OVKS den Abzug eingeleitet. Das Bündnis übergab "sozial wichtige Objekte" wieder den kasachischen Behörden, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Die Soldaten hätten ihre Mission erfüllt und bereiteten nun ihre militärische Ausrüstung für die Verladung in Transportflugzeuge der russischen Luftwaffe vor. Die Einsatzkräfte würden anschließend zu ihren Stützpunkten zurückkehren.

Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), in der neben Russland und Kasachstan vier weitere ehemalige Sowjetrepubliken verbündet sind, hatte nach den Massenprotesten in der vergangenen Woche auf Bitten des kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokajew mehr als 2000 Soldaten nach Kasachstan entsandt. Am Dienstag kündigte Tokajew dann an, dass die "Friedenstruppen" der OVKS sich ab Donnerstag schrittweise zurückziehen würden.

Tokajews Besuch in Almaty

Die kasachische Regierung spricht bereits seit Tagen von einer sich stabilisierenden Lage im Land. So hätten die Behörden nun auch den seit einer Woche gesperrten Flughafen der Millionenstadt Almaty für den Passagierverkehr wieder freigegeben. Es seien wieder nationale und internationale Flüge täglich zwischen 8 und 21 Uhr möglich, teilte die kasachische Luftfahrtbehörde mit. Der Flugverkehr war in der vergangenen Woche nach gewaltsamen Protesten und der Belagerung durch radikale Gruppierungen eingestellt worden. Die Kontrolle über den Airport war aber schnell wiederhergestellt worden - die Behörden nutzten ihn anschließend für die Verlegung der OVKS-Truppen.

In der Stadt selbst gilt weiterhin der Ausnahmezustand. Unklar ist auch noch, ab wann Ausländer wieder einreisen dürfen. Die kasachische Regierung hatte wegen der gespannten Lage in dem Land die Grenzen der Ex-Sowjetrepublik geschlossen.

Tokajew hatte Almaty am Mittwoch erstmals seit dem Beginn der tödlichen Zusammenstöße im Land besucht. Er versprach, die Schäden in der größten Stadt und Finanzmetropole des ölreichen Landes beheben zu lassen. "Die Aufgabe besteht nun darin, die Stadt so schnell wie möglich wieder aufzubauen", so der Staatschef.

Schicksal von Festgenommenen unklar

Bei den Protesten und den gewaltsamen Ausschreitungen waren mehr als 10.000 Menschen festgenommen worden. Immer wieder warten Angehörige vor den Gefängnissen in der Hoffnung, etwas über das Schicksal der Festgenommenen zu erfahren.

Einige besuchten Leichenschauhäuser, um zu sehen, ob ein geliebter Mensch unter jenen war, die im Zuge der beispiellosen Gewalt im Land zu Tode gekommen sind. Die Behörden haben Angehörigen und Anwälten nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten verweigert, Festgenommene zu sehen, und geben nur wenige Informationen heraus. Nach offiziellen Zahlen beläuft sich die Zahl der Toten auf 164. Tokajew erklärt dennoch, es seien Hunderte Zivilisten und Angehörige der Sicherheitskräfte getötet und verletzt worden. Bislang sind mehr als 300 strafrechtliche Untersuchungen wegen der Unruhen eingeleitet worden. Menschenrechtler mahnten, die autoritär geführte Ex-Sowjetrepublik müsse ihnen einen fairen Prozess gewährleisten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2022 um 16:00 Uhr.