Blick auf Nur-Sultan in Kasachstan. | REUTERS

Zentralasien Proteste gegen Gaspreise in Kasachstan

Stand: 04.01.2022 21:10 Uhr

Weil der Gaspreis sich zum Jahreswechsel verdoppelt hat, gehen Tausende Kasachen auf die Straße. Inzwischen werden auch politische Forderungen laut. Die Führung ist alarmiert.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Seit Tagen gehen im Westen Kasachstans Tausende Menschen auf die Straße. Sie protestieren gegen eine Gaspreiserhöhung, die sie nach den harten Pandemiemonaten doppelt trifft. Kostete der Liter Flüssiggas bisher um die 60 Tenge - umgerechnet zwölf Cent -, stieg der Preis kurz vor Weihnachten rapide an: Erst seien es 80 Tenge gewesen, dann knapp 90 - und nach Neujahr dann 120, erklärt einer der Demonstranten dem Reporter von Radio Azattyk.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Eine plausible Erklärung für den drastischen Preisanstieg habe es nicht gegeben, bemängeln andere. Mal sei von technischen Gründen die Rede, mal von zu großer Nachfrage.

Es geht längst um mehr

Von Weltmarktpreisen und Börsengeschäften aber, erklärt der Bürgerrechtler und Journalist Lukpan Achmedjarow im russischen Sender Echo Moskvy, wolle man in einer Region und einem Land, das selbst Erdöl fördere und Erdgas produziere, nichts wissen: "Den Leuten wird einerseits im Fernsehen gesagt, dass unser Reichtum aus Gas und Öl besteht und alles dem Volk gehört. Auf der anderen Seite sehen die Leute, dass das eine Lüge ist, weil sie nicht von Gas und Öl profitieren und keinen Nutzen daraus ziehen können."

Längst gehe es bei dem Protest um mehr als nur um den reinen Preis fürs Tanken und Heizen, meint die Journalistin Gulnara Baschkenowa mit Blick auf die 16.000 Menschen, die sich allein in der Stadt Aktau versammelt haben. Es gehe einmal mehr auch um das soziale Gefälle im Land, um niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen.

Preissenkung versprochen

Auch Forderungen nach mehr Mitspracherechten in der Politik wurden inzwischen laut. Entsprechend alarmiert reagiert die autoritäre Führung des Landes: Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat sich persönlich eingeschaltet und eine Sondersitzung einberufen, um über die soziale und wirtschaftliche Lage des Landes zu sprechen.

Der stellvertretende Premierminister Jeraly Tugschanow erklärte inzwischen, dass der Preis für Flüssiggas in der Region Mangistau, in der die meisten Proteste stattfinden, auf 50 Tenge gesenkt werde. Auf eine strafrechtliche Verfolgung wegen nicht-genehmigter Demonstrationen werde man verzichten - eine Ankündigung, die mit Jubel begrüßt wurde. 

Den Protest aber wollen die Menschen trotzdem fortsetzen: bis der Präsident selbst komme und sich der Situation annehme. Inzwischen haben Sicherheitskräfte rund um die Plätze, auf denen weiter demonstriert wird, Stellung bezogen.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 17:51 Uhr.