Rauch steigt auf nach einem israelischen Luftangriff auf Gaza-Stadt | AP

Nahost-Konflikt Feuerpause in Aussicht

Stand: 07.08.2022 18:04 Uhr

Israel und die Terrororganisation Islamischer Dschihad haben sich Berichten zufolge auf eine Waffenruhe ab dem Abend geeinigt. Sowohl im Gaza-Streifen als auch auf Israel gingen den dritten Tag in Folge Raketen nieder.

Von Julio Segador, ARD-Studio Tel Aviv 

In der jüngsten Gaza-Krise könnte möglicherweise noch heute Abend eine Feuerpause erreicht werden. Medienberichten zufolge haben sich Israel und der Islamische Dschihad unter ägyptischer Vermittlung darauf geeinigt, ab 20 Uhr Ortszeit die Kampfhandlungen einzustellen. Eine offizielle Bestätigung dieser kolportierten Waffenruhe steht allerdings noch aus.

Julio Segador ARD-Studio Tel Aviv

Dem vorausgegangen waren fieberhafte Bemühungen ägyptischer Unterhändler, die versucht hatten, vor allem den Islamischen Dschihad zu einer Feuerpause zu drängen. Die islamistische Organisation dagegen pochte - so heißt es - auf Vergeltung für die zwei durch das israelische Militär getöteten hochrangigen Mitglieder der Organisation.

Israelische Militärs hatten dagegen schon gestern betont, alle wichtigen militärischen Ziele erreicht zu haben. Als Gegenleistung für die Feuerpause soll Israel zugesagt haben, die Energieversorgung des Gaza-Streifens wieder anlaufen zu lassen. Zuletzt war das einzige Kraftwerk in Gaza aufgrund Treibstoffmangels kaum noch funktionsfähig. Die Folge waren stundenlange Stromausfälle im Gaza-Streifen.

Kämpfe den ganzen Tag

Den ganzen Tag über hatte es trotz der ägyptischen Vermittlungsbemühungen heftige Kampfhandlungen gegeben. Auf beiden Seiten war intensiv militärisch agiert worden. Israel beschoss zahlreiche Stellungen des Islamischen Dschihad vor allem im Norden des Gazastreifens. Die Terrororganisation wiederum nahm einige südisraelische Orte unter heftigen Raketenbeschuss, darunter die Städte Beer Sheva und Ashdod. Auch im Süden der Metropole Tel Aviv gab es zeitweise Sirenenwarnungen.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums starben seit Freitag im Gazastreifen 31 Menschen. Mindestens 275 seien verletzt worden, hieß es.

Hamas zeigt sich zurückhaltend

Dass der Konflikt möglicherweise nicht weiter eskaliert, zeigte sich daran, dass die islamistische Hamas, die im Gaza-Streifen das Sagen hat, nur wenig Ehrgeiz hatte, in die laufenden Kämpfe einzusteigen. Hamasführer Ismail Hanija erklärte zurückhaltend, man verfolge die intensiven Bemühungen aller Parteien, der Aggression gegen die Menschen in Gaza ein Ende zu setzen.

Karte Israel mit Westjordanland und Gazastreifen

Ungewöhnliches Treffen von Lapid mit Netanyahu

Für Aufsehen sorgte in Israel am Vormittag ein Treffen von Ministerpräsident Jair Lapid mit Oppositionsführer und Ex-Premier Benjamin Netanyahu. Beide erörterten in einem Gespräch zentrale Sicherheitsfragen.

In einem Statement betonte Netanyahu danach, er unterstütze die Regierung in ihrem Kurs und auch die Militärführung des Landes vollständig. Er habe mit all seiner Erfahrung dem aktuellen Ministerpräsidenten zudem zahlreiche Ratschläge gegeben. Eine heikle Aussage, die Regierungschef Lapid nicht gerade gut aussehen lässt. Beide - Netanyahu und Lapid - sind bei der Parlamentswahl am 1. November die größten Konkurrenten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. August 2022 um 18:00 Uhr.