US-amerikanische Soldaten in Kabul (Afghanistan) (Archivbild: September 2017) | picture alliance / Massoud Hossa

Bedrohungslage in Kabul USA reduzieren Botschaftspersonal

Stand: 28.04.2021 08:15 Uhr

Wenige Tage vor dem geplanten Afghanistan-Truppenabzug reduzieren die USA ihr Botschaftspersonal in Kabul. Grund sei die zunehmende Gewalt. Auch mehrere afghanische Ortskräfte der Bundeswehr sehen laut Medien ihre Sicherheit bedroht.

Wegen einer verschärften Bedrohungslage ziehen die USA einen Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter in der afghanischen Hauptstadt Kabul ab. Das US-Außenministerium erklärte, einen Abzug von "US-Regierungsmitarbeitern an der US-Botschaft" angeordnet zu haben, "deren Aufgaben an einem anderen Ort erfüllt werden können". Die US-Botschaft nannte zur Begründung "zunehmende Gewalt und Berichte über Bedrohungen in Kabul". Die Konsularabteilung bleibe aber geöffnet.

Der diplomatische Geschäftsträger der US-Botschaft in Kabul, Ross Wilson, erklärte, betroffen von der Maßnahme sei eine "relativ kleine Zahl" an Botschaftsmitarbeitern. "Mitarbeiter, die dringend benötigt werden, um Fragen rund um den Rückzug der US-Streitkräfte zu klären sowie zur wichtigen Arbeit, die wir zur Unterstützung der afghanischen Bevölkerung leisten, können vor Ort bleiben", twitterte er.  Die USA bereiten derzeit einen vollständigen Truppenabzug aus dem Bürgerkriegsland vor. Der Abzug soll offiziell am 1. Mai beginnen und spätestens bis zum 11. September abgeschlossen sein.

Auch die NATO-Verbündeten der USA, unter ihnen Deutschland, werden in den kommenden Monaten ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen. Beobachter befürchten eine neue Eskalation der Gewalt nach einem westlichen Truppenabzug und eine Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht. Der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, zeigte sich bei einer Senatsanhörung in Washington zuversichtlich, dass die USA ihre jährlichen Millionenhilfen für Afghanistan als Druckmittel in Verhandlungen mit den Taliban einsetzen könnten, um die Islamisten zur Einhaltung von Menschenrechten zu bewegen. "Die Taliban haben gesagt, sie seien daran interessiert, nicht als Paria zu gelten", sagte Khalilzad. 

Afghanische Mitarbeiter der Bundeswehr fürchten um Sicherheit

Wegen des bevorstehenden NATO-Truppenabzugs aus Afghanistan fürchten viele der verbliebenen Ortskräfte der Bundeswehr um ihre Sicherheit. 41 der gegenwärtig noch 301 afghanischen Ortskräfte hätten eine individuelle Gefährdung angezeigt, berichten die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf eine Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion.  Den Berichten zufolge standen zuletzt noch zwei afghanische Helfer in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie 299 weitere in Masar-i-Scharif bei der Bundeswehr unter Vertrag.

Die Ortskräfte seien nach einem Abzug der internationalen Truppen "massiv gefährdet", von den Taliban oder Kämpfern der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) getötet zu werden, sagte die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel den Zeitungen. Eine "schnelle, unbürokratische Gruppenaufnahme im Rahmen des Abzugs für alle Ortskräfte, die dies wünschen" in Deutschland sei daher "dringend geboten". 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2021 um 06:00 Uhr.