US-Air Base in Ramstein | AP

Rettungsflüge aus Afghanistan Ramstein soll Rettungsdrehkreuz werden

Stand: 20.08.2021 18:04 Uhr

Die US-Basis in Ramstein soll das zentrale Drehkreuz für Rettungsflüge aus Afghanistan werden - denn Zehntausende warten noch darauf, das Land zu verlassen. In Deutschland erreichen die ersten Ortskräfte die Bundesländer.

Die US-Rettungsflüge aus Afghanistan sollen hauptsächlich über die Basis im rheinland-pfälzischen Ramstein abgewickelt werden. Außenminister Heiko Maas sagte, es sei "mit den USA vereinbart, dass insbesondere die Ramstein Air Base temporär für den Transit von schutzsuchenden Personen aus Afghanistan in die USA genutzt werden kann. Damit steigern wir unsere gemeinsamen Transportkapazitäten und entlasten die Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent."

Ramstein nahe Kaiserslautern gilt als einer der wichtigsten militärischen Transport- und Frachtflughäfen der US-Streitkräfte in Europa. In der Air Base sollen dem Vernehmen nach US-Staatsangehörige und Ortskräfte aus Afghanistan auf ihren Weiterflug in die USA vorbereitet werden.

Ortskräfte erreichen Bundesländer

Die Bundeswehr hat bei ihrem Evakuierungseinsatz bislang mehr als 1600 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Dabei handelt es sich um Bundesbürger, afghanische Ortskräfte sowie Menschen aus insgesamt 36 weiteren Ländern.

Die ersten von ihnen sind in den Bundesländern angekommen. In Niedersachsen landete nach Angaben der Landesinnenministeriums eine erste Maschine mit 190 Menschen am Flughafen Hannover. Ein zweiter Flug mit schätzungsweise 250 Menschen sollte im Tagesverlauf folgen. Bereits am Donnerstag hatte die Bundeswehr eine erste Gruppe von 19 Afghanen nach Hamburg gefahren. Mehrere Bundesländer hatten sich zur Aufnahme geretteter Ortskräfte bereit erklärt.

NATO appelliert an Taliban

Den mit Abstand größten Teil an Schutzsuchenden flog aber die US-Armee aus. Nach Angaben des Pentagons waren das seit Samstag 7000 Menschen. Wie viele Schutzsuchende die USA insgesamt in Sicherheit bringen müssen, ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums unklar. US-Präsident Biden sprach von etwa 50.000 bis 65.000 Helfern einschließlich ihrer Familien. Derzeit warteten rund 6000 Menschen mit gültigen Papieren darauf, von US-Militärmaschinen ausgeflogen zu werden, berichtete der US-Sender CNN. Die US-Streitkräfte wollen die Zahl der täglich ausgeflogenen Menschen deutlich steigern.

Auch die NATO will ihre Bemühungen bei den Evakuierungen verdoppeln. Gleichzeitig forderte das Militärbündnis die Taliban auf, die laufenden Aktionen nicht zu behindern. "Wir erwarten von den Taliban, dass sie allen ausländischen Staatsangehörigen und Afghanen, die das Land verlassen wollen, die sichere Ausreise ermöglichen", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einer Sondersitzung der Außenminister der NATO-Staaten.

Zwei Deutsche in Kabul verletzt

Maßgeblich dafür ist aber die Sicherheit in Kabul und am Airport der Stadt. Dort ist die Lage jedoch weiter angespannt. So wurden zwei Deutsche verletzt. Ein Mann wurde leicht verletzt, bestätigte das Auswärtige Amt. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass ein anderer Deutscher auf dem Weg zum Flughafen angeschossen wurde. Es handele sich dabei um einen Zivilisten, sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Bei dem Mann bestehe keine Lebensgefahr.

Bald sollen zwei Hubschrauber die Evakuierungsaktion der Bundeswehr unterstützen. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, wurden die Helikopter bereits zum Transport nach Afghanistan verladen. Sie sollten dort schnellstmöglich zum Einsatz kommen. Denkbar sei unter anderem die Rettung einzelner Menschen aus "Gefahrenlagen" oder deren Abholung von abgelegenen Orten. Die Helikopter sollten insgesamt für ein "erweitertes Handlungsspektrum" der Bundeswehr vor Ort sorgen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. August 2021 um 16:00 Uhr.