Zerstörtes Gefängnis in der Huthi-Rebellenhochburg Saada im Norden des Jemen nach einem Luftangriff. | AFP

Attacke auf ein Gefängnis Mehr als 70 Tote durch Luftangriff im Jemen

Stand: 21.01.2022 22:58 Uhr

Mehr als 70 Menschen sind bei einem Luftangriff auf ein Gefängnis im Jemen getötet, viele verletzt worden. Der Konflikt in dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel hatte sich in den vergangenen Tagen wieder verschärft.

Bei einem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten Koalition auf ein Gefängnis im Norden des Bürgerkriegslandes Jemen sind nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als 70 Menschen getötet worden. Mehr als 100 Menschen sollen verletzt worden sein. Ärzte ohne Grenzen berichtete unter Berufung auf Mitarbeiter eines Krankenhauses von mehreren Hundert Verletzten. Genaue Angaben über Tote und Verletzte liegen bisher nicht vor.

Suche nach weiteren Opfern in den Trümmern

Rettungskräfte durchsuchten derzeit die Trümmer in der Provinz Saada nach weiteren Opfern, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz im Jemen, Baschir Omar. Es gebe zahlreiche Vermisste. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, darunter Flüchtlinge.

Omar sagte lediglich, das Rote Kreuz habe einige der Verletzten in andere Einrichtungen verlegt. "Nach dem, was ich von meinem Kollegen in Saada höre, gibt es noch viele Leichen am Ort des Luftangriffs und viele Vermisste", sagte der Leiter der Organisation im Jemen, Ahmed Mahat, und sprach von einem schrecklichen Akt der Gewalt.

In der Nacht habe es auch Luftangriffe auf andere Gebiete gegeben. Lokalen Medien zufolge kam es deshalb zu einem weitgehenden Ausfall des Internets.

Auch der Satellitensender Al-Massirah der Huthis berichtete, bei dem Luftangriff auf das Gebäude von TeleYemen seien Menschen getötet und verletzt worden. Auf Videoaufnahmen waren Menschen zu sehen, die unter Trümmern nach einer Leiche suchten. Zu hören waren Schüsse. Hilfskräfte kümmerten sich um Überlebende.

"Zielgenaue Luftangriffe" auf Hafen von Hudaida

Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition teilte mit, sie habe zielgenaue Luftangriffe ausgeführt, mit denen in der Gegend des Hafens von Hudaida Kapazitäten der Miliz zerstört werden sollten. Sie räumte nicht ein, TeleYemen getroffen zu haben. Die Koalition nannte Hudaida einen Hafen für Piraterie und iranischen Waffenschmuggel für die Huthis. Zu dem Angriff in Saada äußerte sich die Koalition nicht.

Der Konflikt um das bitterarme Land im Süden der Arabischen Halbinsel hatte sich in den vergangenen Tagen wieder verschärft. Bei einem mutmaßlichen Drohnenangriff der Huthis im Emirat Abu Dhabi wurden vor einigen Tagen mindestens drei Menschen getötet. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind Teil des saudischen Bündnisses. Die Koalition bombardierte daraufhin in dieser Woche die jemenitischen Rebellen. Dabei kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben.

Mehr als 370.000 Tote im Jemen-Konflikt

Saada liegt unweit der Grenze zu Saudi-Arabien und steht unter Kontrolle der Huthi-Rebellen, die große Teile des Jemens beherrschen. Sie hatten 2014 unter anderem die Hauptstadt Sanaa eingenommen. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Rebellen einen Verbündeten seines schiitischen Erzfeindes Iran und bekämpft sie. Die Huthis greifen mit Raketen auch das benachbarte Königreich an. Das von Saudi-Arabien angeführte Bündnis wiederum bombardiert regelmäßig Ziele im Jemen, wobei immer wieder viele Zivilisten ums Leben kommen.

Mehr als 370.000 Menschen wurden im Jemen-Konflikt bereits getötet, Millionen mussten flüchten. Die Vereinten Nationen stufen den Krieg und seine Folgen als schlimmste humanitäre Krise der Welt ein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2022 um 15:35 Uhr in den Nachrichten.