"Yokozuna" Hakuho aus der Mongolei bei einer Ringeintrittszeremonie im Meiji-Schrein in Tokio, Japan. | AFP

Hakuho tritt zurück Abschied einer Sumo-Legende

Stand: 03.10.2021 11:36 Uhr

1187 Siege und 14 Jahre lang Yokozuna - Hakuho blickt auf eine beispiellose Sumo-Karriere zurück. Nun zieht er sich mit 36 Jahren zurück. Dem Sumo bleibt er unter neuem Namen dennoch verbunden.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu Delhi

Niemand hatte geglaubt, dass es sein letzter großer Sieg sein würde. "Hakuho ist doch stark!", rief der Sportreporter im Juli beim Turnier in Nagoya. "Der 45. Kaiserpokal gehört ihm."

Peter Hornung ARD-Studio Neu-Delhi

Nun erklärte der 36-Jährige bei einer Pressekonferenz in Tokio seinen Rücktritt. "Ich, Hakuho, trete zurück. Von nun an werde ich den Namen Magaki annehmen und für den Unterricht der jüngeren Generation verantwortlich sein. Ganz herzlichen Dank für 20 Jahre."

Schwieriger Karrierestart für Hakuho 

Unter dem Ehrennamen Magaki wird man ihn künftig als Sumo-Lehrer kennen. Es ist ein neuer Name für einen Unvergleichlichen. 1187 Siege zählte Hakuho in seiner Karriere. Seit 14 Jahren ist er Yokozuna, also Großmeister.

2000 war er als 15-Jähriger aus seiner Heimat, der Mongolei, nach Japan gekommen. Zunächst wollte ihn keiner haben, sagt sein Lehrmeister Miyagino: "Damals war er nur 175 Zentimeter groß und 62 Kilogramm schwer. Ich habe mir Sorgen gemacht, wie er wohl stärker werden würde."

Aus Mitleid habe er ihn aufgenommen - und es habe sich ausgezahlt. Der Teenager schoss in die Höhe und wurde kräftig: 1,92 Meter groß und 155 Kilogramm schwer. Schon 2007 wurde er Yokuzuna. Mehr geht nicht im Sumo. "Hakuho gewinnt alle Kämpfe! Die Beförderung zum Yokozuna ist jetzt eine Selbstverständlichkeit", kommentierte damals ein Reporter, der einen Kampf gegen Asashoryu beobachtete.

Hakuho mit seinen Eltern, Archivbild von 23. Januar 2005  | AFP

Dieses Archivbild zeigt Hakuho mit seinen Eltern im Januar 2005. Bild: AFP

"Mein rechtes Knie ist kaputt, richtig bröckelig"

Hakuho selbst gab sich oft bescheiden: "Ich hatte zwar den Traum, ein Yokozuna zu werden, aber ich hatte nicht das Ziel, 45 Meisterschaften zu gewinnen. Es war die Summe meiner Bemühungen, eine nach der anderen, die zu diesem Ergebnis führte."

Irgendwann aber, nach vielen Jahren des Sumoringens, macht dann auch bei einer Legende wie Hakuho der Körper nicht mehr mit. Nach seinem 45. Kaiserpokal im Sommer deutete er seinen Rückzug schon an: "Mein rechtes Knie ist bereits kaputt, richtig bröckelig und bewegt sich nicht mehr, wie ich will. (Doch) beim letzten Kampf wollte ich alles geben, was ich hatte. Ich war sehr entschlossen, zu gewinnen."

 Viel Licht, viel Schatten

Es war die großartigste Karriere im Sumoringen überhaupt. 14 Jahre lang Großmeister - so lange wie niemand vor ihm. Doch die Karriere hatte auch Schattenseiten - und nicht zu wenige. Hakuho war rüde zu jungen Ringern, war in Wettskandale verwickelt, schlug manchen Gegnern regelwidrig ins Gesicht oder ließ Angreifer durch Ausweichen ins Leere laufen. Letzteres ist zwar erlaubt, aber für einen Großmeister nicht fair. Denn ein Yokozuna soll ein Vorbild sein und Würde zeigen.

Hakuho nimmt bei der Siegerehrung die Meisterschaftstrophäe entgegen, Juli-Sumo-Turniers in Nagoya, Japan | AFP

45. Kaiserpokale durfte Hakuho in seiner Karriere entgegen nehmen. Bild: AFP

Hakuho darf unter seinem neuen Ehrennamen Magaki zwar einen eigenen Sumo-Stall leiten, aber der Sumo-Verband hat ihm das Versprechen abgenommen, auf die Anweisungen der älteren Stall-Leiter zu hören sowie den Geist des Sumo und seine Traditionen und Umgangsformen zu wahren.

Dass er dem Sport verbunden bleiben wird, daran zweifelt indes kein Mensch. Oder wie Hakuho es selbst ausdrückt: "Ich liebe Sumo wirklich und bin ein glücklicher Mensch."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 04. Oktober 2021 um 18:42 Uhr.