Zwei junge Frauen vor den Olympischen Ringen in Tokio beim Sport. | REUTERS

Rücktritt nach sexistischem Spruch Japans "tief verwurzelter" Sexismus

Stand: 12.02.2021 05:05 Uhr

Nach einem sexistischen Spruch ist Japans Olympia-Cheforganisator Mori zurückgetreten. Der Druck auf ihn war zuletzt sehr groß geworden. Der Fall zeigt, wie tief in Japan Abschätzigkeit über Frauen reicht.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Japan hat ein "josei besshi" - ein Problem mit Frauenfeindlichkeit. Dafür steht nicht nur der Gendergap Report des Weltwirtschaftsforums: Da landet Japan aktuell auf Platz 121 von 153 Ländern. In der Regierung sitzen gerade mal zwei Frauen, auch im Parlament sind es verschwindend wenige.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Aufgeregt hat sich darüber jedoch bisher kaum jemand, es wurde einfach stillschweigend hingenommen. Viele Frauen fügten und fügen sich in die gesellschaftliche Rolle als Mutter und Ehefrau. Ein bisschen ein Land im Dämmerzustand, könnte man meinen.

Empörung löste dennoch die Aussage des Organisationschefs der Olympischen Spiele, Yoshiro Mori, aus: Er soll sich beklagt haben, Frauen zögen Vorstandssitzungen in die Länge, weil sie zu viel redeten.

"Das Problem drehe sich eigentlich nicht um die Person Yoshiro Mori, sondern um die Gesellschaft, in der eine solche Aussage bisher toleriert wurde", sagt Mami Yoshinaga, Präsidentin bei einer japanischen Gewerkschaft für Mitarbeiter der Zeitungsbranche im Klub ausländischer Journalisten - immerhin eine Frau in einer Führungsposition bei landesweit weniger als zehn Prozent. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es in unserer Gesellschaft eine tief verwurzelte Unterstützung für Meinungen wie diese gibt."

Yoshiro Mori, der Chef des Organisationskommitees für die Olympischen Sommerspiele in Japan, soll vor dem Rücktritt stehen. | AFP

Yoshiro Mori, der Chef des Organisationskommitees für die Olympischen Sommerspiele in Japan, soll vor dem Rücktritt stehen. Bild: AFP

Mori erhielt für seinen Kommentar viel Rückendeckung

Auch in Japans Medienhäusern sind Frauen kaum in den oberen Etagen vertreten. In dem Land gibt es keine Gläserne, sondern eine Betondecke. Der Fall Mori, so Yoshinaga, habe hoffentlich etwas angestoßen.

"Es gibt Sexismus nicht nur in Japan. Aber das Problem ist, dass Japan den Sexismus einfach frei weiterlaufen ließ. Und die Medien verstärken dieses Bild noch, das ist ein Teufelskreis. Aber es ist jetzt an uns, die die wir in den Medien arbeiten, dafür etwas zu tun, damit sich daran etwas ändert."

Denn Männer wie Mori gibt es zuhauf in Japan - und viele sind sehr mächtig. Das hat man nicht zuletzt in den vergangenen Tagen gesehen: Mori, der einer der einflussreichsten politischen Gruppierungen angehört, erhielt Rückendeckung von alten Weggefährten. Die Situation werde sich schon wieder beruhigen, hieß es.

Mori, der schwer krank ist, wollte eigentlich schon längst abgetreten sein, wurde aber - vielleicht auch wegen seiner guten Beziehungen zu IOC-Präsident Thomas Bach - gedrängt, im Amt zu bleiben.

Zwei sportbegeisterte Japanerinnen verfolgen ein Tennismatch bei den Australian Open. | AFP

Zwei sportbegeisterte Japanerinnen verfolgen ein Tennismatch bei den Australian Open. Bild: AFP

Die Spiele stehen nicht in Frage, hieß es in den Nachrichten

Dass jetzt 150.000 Unterschriften für den Rücktritt Moris zusammengekommen sind und ordentlich Druck gemacht wurde, sei dennoch ein wichtiges Zeichen, meint Kawori Sakai. Sie ist Präsidentin bei einer Interessenvertretung im Verlagswesen.

"Hinter der Aussage von Mori steht, dass Frauen schwache Lebewesen sind, die von Männern beschützt werden müssen. Aber Männer sind ebenso verletzlich", sagt sie. "Die Menschen müssen sich gegenseitig helfen und unterstützen. Die japanische Gesellschaft ändert sich langsam, das sollten japanische Politiker möglichst schnell merken."

Doch ob dies direkte Konsequenzen hat, ist fraglich. Trotz der Personalie Mori und obwohl eine Mehrheit der Japaner für einen Aufschub oder eine Absage von Olympia ist, hieß es noch am Abend in der Hauptnachrichtensendung im Fernsehen: Die Spiele stehen nicht infrage. Man müsse jetzt nur stärker am Image arbeiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Februar 2021 um 22:55 Uhr.

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