Ein Schriftzug der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking, China. | REUTERS

Spiele in Peking 2022 Auch Japans Politiker bleiben Olympia fern

Stand: 24.12.2021 07:18 Uhr

Nach den USA, Kanada, Australien und Großbritannien will auch Japan keine hochrangigen Politiker zu den Olympischen Spielen nach Peking schicken. Von einem diplomatischen Boykott möchte Tokio jedoch nicht sprechen.

Japan schickt keine Regierungsdelegation zu den Olympischen Winterspielen nach China. Stattdessen werde man einige Beamte mit Olympia-Bezug entsenden. Darunter seien die Politikerin Seiko Hashimoto, Leiterin des Organisationskomitees für Tokio 2020, sowie die Leiter des nationalen olympischen und paralympischen Komitees, teilte der japanische Regierungssprecher Hirokazu Matsuno mit.

Politischer Spagat

Einen diplomatischen Boykott, wie ihn Japans Schutzmacht USA angestoßen hatte, wollte er die Entscheidung nicht nennen. Man habe dafür "keine bestimmte Bezeichnung". Damit übt sich Chinas Nachbarland in politischem Spagat.

Dennoch wird Japans Entscheidung als in Übereinstimmung mit dem Vorgehen der Schutzmacht USA gesehen. Länder wie Kanada, Australien und Großbritannien folgen ebenfalls der Initiative der US-Regierung und schicken keine Regierungsvertreter zu den Spielen, die vom 4. bis 20. Februar 2022 in Peking stattfinden.

China steht wegen Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern, wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong und Drohungen gegen Taiwan in der Kritik. Man halte es für wichtig, dass "auch in China die universellen Werte der internationalen Gemeinschaft wie Freiheit, Achtung der grundlegenden Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit garantiert werden", wurde Matsuno zitiert.

China hatte die Anschuldigungen von Menschenrechtsverletzungen zurückgewiesen und kündigte "entschlossene Gegenmaßnahmen" an.

Dass nun Japans Regierungschef Fumio Kishida seinen Sprecher die Entscheidung bekanntgeben ließ, wird als Bemühung Tokios gewertet, die Führung in Peking nicht direkt zu provozieren. Beide asiatischen Nachbarstaaten begehen im kommenden Jahr den 50. Jahrestag der Normalisierung ihrer diplomatischen Beziehungen. Das Verhältnis beider Länder ist wegen Inselstreitigkeiten und Japans Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit seit langem schwierig. Japan ist zudem besorgt über das wachsende Machtstreben Chinas in der Region. Zugleich sind beide Staaten jedoch wirtschaftlich eng verbunden.

Die Staaten der Europäischen Union sind in der Frage eines Boykotts uneins. Auch Deutschland hat sich noch nicht positioniert.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Dezember 2021 um 09:05 Uhr in den Nachrichten.