Wartebereich vor einem Tokioter Impfzentrum. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Coronakrise in Japan Mit Massenimpfung zu Olympia?

Stand: 24.05.2021 07:45 Uhr

Die schleppende Impfkampagne ist der Hauptgrund für die breite Ablehnung der Olympischen Spiele in Japan. Entsprechend groß sind die Hoffnungen auf zwei Massenimpfzentren in Tokio und Osaka, die heute öffnen sollen.

Von Torben Börgers, ARD-Studio Tokio

Vollständig geimpfte Japaner zu finden, ist nicht leicht: Je nach Berechnung durften bislang gerade einmal zwei bis vier Prozent der alternden Bevölkerung zweimal die Ärmel für den erlösenden Stich in den Oberarm hochkrempeln, die restlichen 96 bis 98 Prozent der Bevölkerung warten noch. Im weltweiten Vergleich der Industrienationen ein beschämend niedriger Wert, der den umstrittenen Premierminister Yoshihide Suga bei den Wahlen im Spätsommer sein Amt kosten könnte.

Torben Börgers

Zwei Monate vor dem geplanten Beginn der Olympischen Spiele sind jüngsten Umfragen zufolge mehr als 80 Prozent der Japaner und bis zu 70 Prozent der japanischen Unternehmen für deren erneute Verschiebung oder gar Absage. Entsprechend gespannt blickt die Regierung heute nach Tokyo und Osaka, wo die ersten beiden großen Impfzentren des Landes eröffnet werden.

Die Eröffnung der beiden Massenimpfzentren soll der Impfkampagne nun endlich den nötigen Schub verleihen. Betrieben werden die Zentren von den sogenannten Selbstverteidigungskräften - denn eine Armee hat das pazifistische Japan offiziell nicht. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist der Betrieb der Einrichtungen für drei Monate geplant. Nach den Paralympischen Spielen wäre damit also auch schon wieder Schluss.

Impfung gegen das Coronavirus in Japan. | AP

Ein älterer Mann aus Nagoya wird gegen Covid-19 geimpft. Bild: AP

Der Plan: 10.000 Impfungen pro Tag

Medienberichten zufolge sollen alleine in dem Zentrum in Tokio täglich etwa 10.000 Menschen geimpft werden - Bewohner der Hauptstadt und der umliegenden Präfekturen Saitama, Chiba und Kanagawa. In Osaka werden auch Menschen aus Kyoto und Hyogo geimpft. Die Regierung plant geplant, die Corona-Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca zu verwenden - beide wurden erst am Freitag zugelassen, nach eine monatelangen Hängepartie, in der Japan ausschließlich auf der Impfstoff von BioNTech/Pfizer setzte.

Moderna soll ab dieser Woche eingesetzt werden, AstraZeneca werde aber wegen der Berichte aus dem Ausland über selten auftretende Blutgerinnsel nicht sofort zum Einsatz kommen, teilte das Gesundheitsministerium mit: Man werde zunächst "die Situation in anderen Ländern beobachten". Mehrere Länder haben wegen seltener, aber schwerwiegender Nebenwirkungen die Nutzung von AstraZeneca eingeschränkt oder komplett eingestellt. Nach Ansicht der WHO überwiegt der Nutzen des Impfstoffes aber die Risiken.

Corona-Notstand in zehn Provinzen

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit ihren 126 Millionen Einwohnern ist von der Corona-Pandemie bisher weniger stark betroffen als andere Länder. Rund 12.000 Menschen starben dort an oder mit einer Coronavirus-Infektion. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen jedoch an, wodurch die Krankenhäuser Ärzten zufolge unter Druck gerieten. Mittlerweile gilt in zehn Regionen der Corona-Notstand, als letzte Region kam am Freitag Okinawa dazu. "Wir tun alles dafür, dass vor allem die Älteren bis Ende Juli ihre zwei Spritzen bekommen", versprach Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura, der auch die Corona-Taskforce leitet.

Zu Anfang sollen nur Termine an die 36 Millionen Japaner ab 65 Jahre vergeben werden. In Osaka waren alle 25.000 Termine der ersten Woche nach Angaben des Verteidigungsministeriums innerhalb von 25 Minuten nach dem Start der Terminvergabe vergeben. Für beide Massenimpfzentren ist ein Impfgutschein erforderlich, den die örtlichen Behörden ausstellen. Um die Terminvergabe kümmert sich ein privates Unternehmen, das die Server für das System aufgestockt hat, um Ausfälle, wie jüngst in einigen Teilen Japans, zu vermeiden.

Denn die landesweite Impfkampagne hat mit einigen Problemen zu kämpfen: Zuerst gab es zu wenig Impfstoff, dann fehlte medizinisches Personal. Von der Entwicklung eines eigenen Impfstoffs ist Japan weit entfernt. Zwar haben bereits ein paar medizinische Studien begonnen, doch die Unternehmen selbst gehen davon aus, dass das erste eigene Produkt erst Ende dieses Jahres zugelassen werden kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2021 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Initiative Neue Asoziale Marktwirtschaft 24.05.2021 • 08:40 Uhr

12 000 Coronatote

Japan hat 12 000 Coronatote. Deutschland hat 87 000 Coronatote. Wie hat Japan die Bevölkerung geschützt? Wer am Ende mehr Menschenleben gerettet hat hat Recht.