Eine Gruppe Menschen beim Gedenken |

Zehn Jahre Fukushima Gedenken, Gebete und Tränen

Stand: 11.03.2021 10:12 Uhr

Beben, Tsunami und Atomunfall: Die Katastrophe von Fukushima vor genau zehn Jahren hat mehr als 15.000 Menschen das Leben gekostet - 2500 werden immer noch vermisst. In Japan ist heute der verheerenden Katastrophe gedacht worden.

Mit Gebeten, Blumen und vielen Tränen haben Menschen in Japan der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor zehn Jahren gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) legten die Menschen bei einer staatlichen Gedenkzeremonie in Tokio sowie an anderen Orten eine Schweigeminute ein. Manche Menschen in Japan liefen mit Blumenkränzen an die Küste, um an Verwandte und Freunde zu erinnern, die durch den Tsunami getötet wurden.

Eine Frau betet vor Blumen | AFP

Der Schmerz sitzt tief: Gedenken an die Opfer von Fukushima. Bild: AFP

Kaiser Naruhito sagte bei der Veranstaltung in Tokio, dass sein Herz angesichts der Opfer schmerze. Er rief jeden Bürger dazu auf, den Überlebenden beizustehen, damit sie möglichst schnell wieder ein friedliches Alltagsleben führen können. Niemand dürfe "in dieser schwierigen Situation" alleingelassen werden, mahnte der Monarch.

Ganze Städte versanken im Wasser

Am 11. März 2011 hatte das Beben die Region Tohoku im Nordosten erschüttert. Eine gigantische Flutwelle bäumte sich damals an der Pazifikküste auf und walzte alles nieder: Ganze Städte, Dörfer und riesige Anbauflächen versanken in den Wasser- und Schlammmassen. In Fukushima kam es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu einem Super-Gau.

Bei der Dreifach-Katastrophe sind die meisten Opfer auf den Tsunami zurückzuführen. Bis Dezember 2020 zählte die japanische Polizei 15.899 Todesfälle und 2527 Vermisste. Polizisten, die Küstenwache und Freiwillige setzten die Suche nach ihren Überresten am Jahrestag der Katastrophe fort, denn für Japaner können die Seelen nicht eher ruhen.

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Beben, Tsunami, Super-GAU: Die Katastrophe von Fukushima

Der Wiederaufbau der Region trete jetzt in die letzte Phase, erklärte Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga während einer Gedenkfeier im Nationaltheater von Tokio, die wegen der Corona-Pandemie kleiner ausfiel. Es war die letzte zentrale staatliche Gedenkfeier in dieser Form. Der Staat werde die Unterstützung für die Katastrophenregion fortsetzen und bemühe sich um schnelle Rückkehr der Bewohner in dem vom Super-Gau betroffenen Gebieten, sagte Suga.

Manche Gegenden immer noch Sperrzone

Von den 470.000 Menschen, die zwischenzeitlich wegen der Dreifach-Katastrophe fliehen mussten, leben noch immer rund 41.000 Menschen entwurzelt, die meisten davon aus Fukushima. Denn noch immer sind dort manche Gegenden um die Atomruine herum wegen hoher Strahlung eine Sperrzone.

Ungeachtet dessen soll in zwei Wochen in Fukushima der Fackellauf für die Olympischen Spiele beginnen. Die Regierung will sie nutzen, um der Welt den Wiederaufbau zu zeigen. Die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio sollen laut Regierungschef Suga unter anderem Japans Heilung nach der Katastrophe zeigen. Manche Überlebende sagen jedoch, ihre Heilung sei erst zur Hälfte erfolgt.

Weitere Probleme an Atomruine?

Unterdessen berichtete der japanische Fernsehsender NHK von weiteren Problemen in der Atomruine Fukushima. Der Wasserpegel im Untergeschoss des zerstörten Reaktors 3 sei aus noch ungeklärter Ursache gestiegen. Dies deutet auf mögliche neue Schäden durch ein schweres Erdbeben hin, das erst kürzlich die Unglücksregion erneut erschüttert hatte. Rund 4000 Arbeiter sind weiterhin täglich in der Atomruine mit den Bergungsarbeiten beschäftigt.

Bis zu 40 Jahre wird es nach amtlichen Angaben dauern, bis die Anlage stillgelegt ist. Kritiker halten diesen Zeitrahmen für viel zu optimistisch.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. März 2021 um 11:00 Uhr.