Arbeiter sind auf dem Gelände von Fukushima Daiichi in der Stadt Okuma im Nordosten Japans zu sehen. | EPA

Atomkraftwerk Fukushima Verseuchtes Wasser soll ins Meer

Stand: 13.04.2021 10:27 Uhr

Seit der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima haben sich mehr als eine Million Tonnen verstrahltes Wasser in Tanks gesammelt. Japans Regierung will es nun behandeln und über Jahrzehnte ins Meer pumpen. Bürger sind darüber entsetzt.

Die japanische Regierung will eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer ablassen. Vorher solle es noch behandelt werden, gab sie bekannt. In zwei Jahren sollen die Arbeiten beginnen. Der gesamte Prozess werde vermutlich 30 Jahre dauern.

Die Minister der zuständigen Ressorts seien übereingekommen, dass dies der beste Weg sei, teilte die Regierung mit. Die Maßnahme begründete sie damit, dass der Platz für weitere Behälter auf dem Gelände der Atomruine bald zu knapp sei, um noch weitere Behälter aufzubauen. Ministerpräsident Yoshihide Suga sagte, dieser Schritt sei unvermeidlich, um eine Sanierung von Fukushima zu erreichen.

Reaktoren werden gekühlt

Das Kabinett Suga traf diese Entscheidung gut zehn Jahre nach der schlimmsten Atomkatastrophe des Landes. Am 11. März 2011 löste ein Seebeben und ein anschließender Tsunami eine Kernschmelze in den Reaktoren. 20.000 Menschen starben in den Fluten.

Bei der Havarie trat radioaktiv verseuchtes Kühlwasser aus. Es vermischt sich mit dem Grundwasser, das abgepumpt werden muss. Der Betreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) verwendete es, um drei Reaktoren zu kühlen, die weiterhin heiß sind. Mehr als 1,2 Millionen Tonnen Wasser werden in 1020 Tanks mit einem Fassungsvermögen von 1,25 Millionen Tonnen gelagert.

Tritium lässt sich nicht herausfiltern

Die Kapazität der Tanks wird nach Angaben des Betreibers Tepco im Herbst kommenden Jahres erreicht sein. Örtliche Beamte und einige Experten sagen allerdings das Gegenteil. Tepco hatte vor der Entscheidung der Regierung argumentiert, das Wasser abzulassen, sei im Interesse der Anwohner von Fukushima notwendig.

Regierung und Betreiber wollen das verseuchte Wasser auf dem Gelände behandeln lassen, um die Wirksamkeit von radioaktiven Substanzen auf ein zulässiges Maß zu verringern. Laut Experten kann das dafür verwendete Filtersystem ALPS das Isotop Tritium dabei jedoch nicht herausfiltern. Die Regierung und auch der Betreiber argumentieren, Tritium sei in geringen Mengen nicht schädlich für die menschliche Gesundheit. Bevor das verstrahlte Wasser ins Meer abgelassen wird, soll es verdünnt werden.

Kritik aus dem Ausland

Einige Wissenschaftler geben jedoch zu Bedenken, dass die langfristigen Auswirkungen auch geringer Mengen Tritium auf das Leben im Meer nicht geklärt sind. Auch die Bürgerkommission für Nukleare Energie mit Sitz in Tokio betonte, Tritium sei radioaktives Material und solle nicht in die Umwelt gebracht werden. 

Viele Japaner sowie Umweltschützer und örtliche Fischereiverbände lehnen den Schritt strikt ab. Auch einige Nachbarländer wie China und Südkorea äußerten vor der Entscheidung Bedenken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.