Die Hinrichtungskammer im Tokio Detention Center. (Archivbild: 30.08.2020) | imago images/ZUMA Wire

Erste Vollstreckung seit 2019 Japan lässt drei Menschen hinrichten

Stand: 21.12.2021 08:12 Uhr

Erstmals seit zwei Jahren hat Japan wieder Todesurteile vollstreckt und drei Mörder hingerichtet. Landesweit sitzen derzeit mehr als 100 Menschen in der Todeszelle. Die Regierung verteidigte die Todesstrafe als "notwendig".

Die japanische Regierung hat drei zum Tode verurteilte Häftlinge hinrichten lassen. Es war die erste Vollstreckung von Todesurteilen in dem Land seit 2019. 

Unter den Hingerichteten war laut Angaben des Ministeriums ein 65-Jähriger, der im Jahr 2004 seine Tante, zwei Cousins und vier weitere Menschen getötet hatte. Bei den beiden anderen handelte es sich demnach um einen 54-Jährigen und seinen 44-jährigen Komplizen, die im Jahr 2003 zwei Angestellte einer Spielhalle getötet hatten.

108 Menschen in in der Todeszelle

Japan ist neben den USA das einzige Industrieland, in dem noch die Todesstrafe vollstreckt wird. Im vergangenen Jahr war erstmals seit neun Jahren niemand hingerichtet worden. Für dieses Jahr wurde die Zeit für eine Vollstreckung für die Regierung knapp, denn zwischen dem 29. Dezember und dem 3. Januar darf laut Gesetz niemand hingerichtet werden.

Insgesamt sind derzeit 108 Menschen in Japan zum Tode verurteilt. Sie sitzen im Durchschnitt bis zu zwölf Jahre in Haft, bevor das Urteil vollstreckt wird.

Regierung verteidigt Todesstrafe

Während Menschenrechtler massive Kritik üben, verteidigt die Regierung die Todesstrafe als legitimes Mittel. "Angesichts der Tatsache, dass sich immer wieder grausame Verbrechen ereignen, ist es notwendig, diejenigen hinzurichten, deren Schuld extrem schwerwiegend ist, daher ist es unangemessen, die Todesstrafe abzuschaffen", sagte der stellvertretende japanische Kabinettschef Seiji Kihara.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beklagen seit langem den Umgang mit den Todeskandidaten. So werden sie nicht vorab informiert, sondern erfahren erst unmittelbar vorher von ihrem bevorstehenden Tod.

Für den Vollzug gibt es gesonderte Hinrichtungskammern. Die Falltür unter dem Galgen wird per Knopfdruck von drei Mitarbeitern gleichzeitig ausgelöst. Angehörige sind nicht zugelassen und werden auch erst im Nachhinein informiert.


Mit Informationen von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2021 um 06:28 Uhr.