Menschen mit Gesichtsmasken in einer Einkaufsstraße von Tokio

Stark steigende Infektionen Japan weitet Corona-Notstand aus

Stand: 30.07.2021 16:53 Uhr

Nach einem Rekordanstieg der Infektionszahlen weitet Japan den Notstand auf vier weitere Gebiete neben Tokio aus. Er gilt bis Ende August. Regierungschef Suga begründete dies mit dem Vormarsch der Delta-Variante.

Eine Woche nach Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio hat die japanische Regierung wegen der rapide steigenden Corona-Infektionszahlen den Gesundheitsnotstand für die Hauptstadtregion und die Präfektur Okinawa verlängert und auf vier weitere Präfekturen ausgedehnt. Der Notstand gelte nun auch für Tokios benachbarte Präfekturen Chiba, Kanagawa und Saitama sowie für Osaka im Westen des Landes, teilte Ministerpräsident Yoshihide Suga mit. 

Für Tokio und Okinawa wurde der Notstand bis zum 31. August verlängert, dort sollte er ursprünglich am 22. August auslaufen.

Rapider Vormarsch der Delta-Variante

Regierungschef Suga begründete die Maßnahme mit dem rapiden Vormarsch der hochansteckenden Delta-Variante. Die Neuinfektionen müssten eingedämmt werden, sonst drohe die Zahl der Schwerkranken zu steigen und die Krankenhäuser zu überfordern.

Heute meldete allein Tokio 3300 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, nachdem die Zahl am Vortag einen Höchststand von 3865 Fällen erreicht hatte. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert pro 100.000 Einwohner liegt nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität landesweit aktuell bei 28, in Tokio bei 88.

Der Gesundheitsnotstand bringt in Japan nicht so strenge Restriktionen mit sich wie in anderen Ländern. Unter anderem dürfen Bars und Restaurants keinen Alkohol mehr ausschenken und müssen um 20.00 Uhr schließen, die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen wird beschränkt. Ausgangsbeschränkungen gibt es nicht.

Menschen mit Schutzmasken gehen über eine Fußgängerbrücke in Tokio (Japan).

Allein im Raum Tokio stieg die Zahl der Neuinfektionen um rund 3300 binnen 24 Stunden.

Bürger sollen zu Hause bleiben

Die Regierung fordert die Bürger immer wieder auf, zu Hause zu bleiben und sich die Olympischen Spiele am Fernseher anzuschauen. Zudem wurde an die Jüngeren appelliert, sich so wie inzwischen die meisten der älteren Menschen in Japan gegen Corona impfen zu lassen. Bis zum Donnerstag waren 27 Prozent der japanischen Bevölkerung vollständig geimpft, unter den Älteren waren es 71,5 Prozent.

Doch viele Bürger sind den immer wieder verlängerten Notstand leid. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass die Spiele und die Erfolge der japanischen Athleten indirekt dazu beitrügen, dass viele Japaner das Coronavirus nicht mehr so ernst nähmen. Die Regierung sowie das IOC behaupten dagegen, der Anstieg der Infektionen habe nichts mit Olympia zu tun. Die bislang rund 220 positiven Tests betreffen zumeist Japaner, nicht Eingereiste aus dem Ausland.

Der wichtigste Coronavirus-Berater der Regierung, der Mediziner Shigeru Omi, sagte, die Ausbreitung des Virus liege an der Sorglosigkeit der Japaner. Diese seien durch die vielen Medaillen ihrer Landsleute in guter Stimmung und viele zudem noch im Urlaubsmodus. Er forderte mehr Disziplin, aber auch ein konsequenteres Durchgreifen der Regierung.

Mit Informationen von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juli 2021 um 09:49 Uhr.