Abdullatif al-Zayani, Benjamin Netanyahu, Donald Trump und Abdullah bin Zayed Al-Nahyan | AFP

Ein Jahr "Abraham"-Abkommen Die neue Normalität in Nahost

Stand: 15.09.2021 14:36 Uhr

Seit einem Jahr gibt es offizielle Beziehungen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Vor allem wirtschaftlich gibt es Fortschritte. Und doch sind Hoffnungen unerfüllt geblieben.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Vor einem Jahr traten vier Männer vor das Weiße Haus in Washington und unterzeichneten die sogenannten Abraham-Abkommen - US-Präsident Donald Trump, Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, der Außenminister von Bahrain, Abdullatif al Zayani und Abdullah bin Zayed, Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Israel war bis zu diesem Tag im Nahen Osten weitgehend isoliert gewesen und unterhielt nur mit Ägypten und Jordanien offizielle diplomatische Beziehungen. "Dieser Tag ist ein Dreh- und Angelpunkt der Geschichte", sagte der damalige israelische Premier Netanyahu, "er steht für eine neue Ära des Friedens."

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Der israelische Journalist Barak Ravid hat die Annäherung zwischen Israel und den arabischen Staaten intensiv begleitet. Er ist der Meinung, dass die Abkommen ein Verdienst des früheren US-Präsidenten und "die wichtigsten außenpolitischen Errungenschaften von Trumps Amtszeit" sind. Ravid plädiert deshalb für einen umfassenden Blick auf Trumps Amtszeit, auch wenn dessen Vermächtnis "komplex" sei.

In Washington unterzeichnen al Zayani, Netanyahu, Trump und bin Zayed am 15.9.2020 die Abraham-Abkommen | AP

Ein historisches Abkommen: Am 15.9.2020 endet mit der Unterzeichnung der Abraham-Abkommen in Washington die jahrzehntelange Sprachlosigkeit zwischen Israel und führenden Staaten der arabischen Halbinsel. Bild: AP

Trump eng an der Seite Israels

Unter Trump war die Unterstützung der USA für den Staat Israel so intensiv wie nie. Für die Annäherung zwischen Israel, den Emiraten und Bahrain sorgten sicherlich die gemeinsamen Spannungen mit dem Iran. Wichtig waren aber wohl auch Zusagen der USA. Den Emiraten etwa stellte Trump die Lieferung eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt in Aussicht.

Die Emirate, Bahrain und später auch der Sudan und Marokko brachen vor einem Jahr mit einem Grundsatz arabischer Länder: dass es erst einen palästinensischen Staat geben muss und ein Ende der israelischen Besatzung, bevor es Beziehungen mit Israel geben kann.

Empörung der Palästinenser ist ungebrochen

Dass die Länder trotzdem Beziehungen aufnahmen, empört die palästinensische Politikerin Hanan Ashrawi bis heute. Israel sei mit der Normalisierung für eine "unnormale Situation" belohnt worden, die von Israel ausgehe, sagte sie vor ein paar Monaten. "Sie ist eine implizite Anerkennung der Besatzung, der Annexion Jerusalems sowie der Gesetzlosigkeit und Straffreiheit Israels." Ashrawi kritisiert auch, dass die Normalisierung ohne israelische Gegenleistung erfolgt sei. Das werde Israel stärken und internationales Recht in der Region schwächen.

Die Emirate und Bahrain beteuern, weiter an der Seite der Palästinenser zu stehen. Eine geplante Annexion von Teilen des Westjordanlandes durch Israel sei durch die Abkommen vom Tisch.

Der israelische Journalist Ravid glaubt nicht, dass die palästinensische Frage Israel daran hindern werde, weitere Abkommen mit der arabischen Welt zu schließen. Aber der Konflikt mit den Palästinensern bedrohe dennoch Israel in seiner Existenz - es gehe um Israels Zukunft als jüdischer und demokratischer Staat.

Warten auf Riad

Ein Jahr nach der Unterzeichnung der Abkommen floriert vor allem das Verhältnis zwischen Israel und den Emiraten - im Tourismus, in der Wirtschaft, in der Luftfahrt. Israel hofft, dass bald weitere arabische Länder folgen werden. Gilad Erdan, Israels Botschafter in Washington, sagte dem US-Sender KAN, es gebe auch Kontakte nach Afrika, wo einige Länder islamisch geprägt sind, doch "der größte Wille" bestehe darin "dass Saudi-Arabien sich anschließen wird". 

Saudi-Arabien hält sich noch zurück. Laut Medienberichten ist die Führung des Landes uneins. Dabei geht es auch um den seit Jahrzehnten ungelösten Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. September 2021 um 15:09 Uhr.

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