Jüdische Gläubige nehmen an einer Gedenkveranstaltung nahe Babyn Jar am Stadtrand von Kiew teil. | picture alliance / Photoshot

Krise in Osteuropa Ukrainische Juden hoffen auf Israels Hilfe

Stand: 09.02.2022 15:19 Uhr

Angesichts der Krise in der Ukraine bittet der dortige Oberrabbiner Azman Israel um Beistand für die im Land lebenden Juden. Das bringt die israelische Regierung in Bedrängnis: Sie will weder die USA noch Russland verärgern.

Von Bettina Meier, ARD-Studio Tel Aviv

Es ist wie mit einem rohen Ei, das man vorsichtig anfasst, damit es nicht zerbricht: So verhält sich Israel, wenn es um die russisch-ukrainische Krise geht. Mit Stellungnahmen zum Konflikt hält sich die Regierung in Jerusalem zurück. Waffenlieferungen an die Ukraine hat sie aber ausgeschlossen. Als Unterstützer einer Seite will Israel nicht gesehen werden.

Bettina Meier

Genau zu dieser Zeit kommt nun die Bitte eines wichtigen Repräsentanten der Juden in der Ukraine, des Oberrabiners Moshe Reuvan Azman, die jüdische Bevölkerung in seinem Land nicht allein zu lassen: "Die Ukrainische Jüdische Gemeinschaft ist normalerweise auf der Seite Israels, wenn es Krieg in Israel gibt und wir helfen dem Land. Jetzt ist es nicht leicht für Israel, zu uns zu stehen. Auch wegen der schwierigen politischen Beziehungen mit Russland. Aber wir bitten Israel um Hilfe." Die könne auch spiritueller Natur sein.

In seinem Interview mit dem Jerusalem Press Club spielt Azman auf die Verantwortung an, die Israel für die in der Ukraine lebenden Juden hat. Laut Schätzungen leben dort rund 400.000 Juden, etwa 200.000 davon hätten nach dem israelischen Rückkehrgesetz Anspruch auf die Staatsbürgerschaft.

Moskau dämmt iranischen Einfluss ein

In der Tat bereitet sich die israelische Regierung darauf vor, Tausende Juden aus dem Krisengebiet evakuieren zu können. Das bedeute, Israel müsse den Ereignissen "mit einer sehr großen Vorsicht gegenübertreten müssen, wie es kein anderer Staat muss", sagte Israels Außenminister Yair Lapid in einer Stellungnahme. "Aber zu meinem Aufgabenbereich gehört es, auf die Juden in der Welt achtzugeben. Das ist auch die Aufgabe der Regierung." Israel habe dafür seine Evakuierungspläne für die Juden im Land auf den neuesten Stand gebracht.

Was weitere Stellungnahmen zum Ukraine-Russland Konflikt betrifft, bleibt Israel zurückhaltend. Ein Grund dafür könnte in Russlands starker Präsenz in Syrien liegen: Hier dämmt Moskau den Einfluss des Irans ein, was Israel hilft. Erst kürzlich hat es einen Patrouillenflug gemeinsam mit der syrischen Armee entlang der syrisch-israelischen Grenze gegeben.

Ex-Botschafter: Russland respektiert Israels Einfluss

Ein Versuch Moskaus, die Muskeln spielen zu lassen? Möglich, sagt der ehemalige israelische Botschafter für Russland und die Ukraine, Zvi Magen, der jetzt Berater am Institut für nationale Sicherheitsstudien der Universität Tel Aviv ist. "Russland demonstriert immer wieder seine Macht - auch gegenüber Israel." Aber das Land sei auch vorsichtig und überschreite eine gewisse Grenze nicht: "Sie respektieren den Einfluss, den Israel im Nahen Osten hat."

Das Verhältnis Israels zum Russland-Ukraine-Konflikt könnte erneut beim Antrittsbesuch der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock in Israel zur Sprache kommen. Sie reist heute in den Nahen Osten.

 

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 09. Februar 2022 um 15:22 Uhr.