Fläschchen mit dem BioNTech/Pfizer-Impfstoff in einem mobilen Impfzentrum in Tel Aviv. | AFP

Daten aus Israel Impfung weniger effektiv seit Delta-Variante

Stand: 05.07.2021 21:50 Uhr

In Israel ist die Wirksamkeit des BioNTech-Impfstoffs dem Gesundheitsministerium zufolge seit der Ausbreitung der Delta-Variante gesunken: Er schütze nur noch zu 64 Prozent vor einer Ansteckung. Der Schutz vor schweren Verläufen sei aber hoch.

Nach Daten des israelischen Gesundheitsministeriums hat in dem Land die Wirksamkeit der BioNTech/Pfizer-Impfung in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. Parallel habe sich die aggressivere Delta-Variante des Coronavirus ausgebreitet, teilte das Ministerium mit.

Seit dem 6. Juni sei die Wirksamkeit der Impfung bei der Verhinderung einer Infektion auf 64 Prozent gesunken. Dies sei auch bei der Verhinderung einer Erkrankung mit Symptomen der Fall. Allerdings schütze die Impfung sehr gut vor einer schweren Erkrankung und Krankenhausaufenthalten - nämlich zu 93 Prozent.

Das Ministerium verwies darauf, dass die Datenlage noch begrenzt und die Studie vorläufig sei. Dennoch fällt die deutliche Abweichung von früheren Angaben auf. Im Februar hatte das israelische Gesundheitsministerium noch mitgeteilt, der Impfstoff von BionNTech/Pfizer verhindere eine Corona-Erkrankung zu 95,8 Prozent. Das Auftreten von Symptomen wie Fieber und Atembeschwerden werde zu 98 Prozent verhindert und zu rund 99 Prozent Krankenhausaufenthalte, schwere Erkrankungen und Tod.

Steigende Zahl von Neuinfektionen

Israel hat wegen der hohen Impfquote eine gute Datenlage. In dem Land steigt die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen seit rund zwei Wochen wieder deutlich an. Am Sonntag wurden laut Gesundheitsministerium 334 Menschen positiv getestet. Zuletzt waren Anfang April mehr als 300 Neuinfektionen an einem Tag festgestellt worden. Seit rund zwei Wochen ist jedoch kein Todesfall mehr im Zusammenhang mit dem Virus registriert worden.

Der größte Teil der Neuinfektionen steht im Zusammenhang mit der Delta-Variante, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde. Viele der Infizierten sind jüngere Menschen. Etwa 50 Prozent der Infizierten sind geimpft.

Das Land hatte vor Wochen praktisch alle Corona-Regeln aufgehoben. Angesichts der steigenden Zahlen debattieren Ärztinnen und Ärzte nun darüber, wie es weitergehen soll. Die einen fordern strengere Regeln und nicht nur die Maskenpflicht in Innenräumen, die wieder gilt, aber kaum befolgt wird. Andere Expertinnen und Experten warnen vor Panik und verweisen auf die Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten: Die Zahl ist in Israel weiterhin sehr niedrig.

Britische Studie: Hoher Schutz vor schwerem Verlauf

Zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die Delta-Variante hatte es bisher vor allem britische Studien gegeben. Auch eine im Juni von der Regierung in London vorgestellte Datenanalyse kam dabei zu dem Schluss, dass ein vollständiger Impfschutz mit zwei Dosen der Mittel von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca sehr gut schwere Krankheitsverläufe verhindere. Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante, teilte die Behörde Public Health England (PHE) mit. Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verglichen mit dem von Ungeimpften verringert.

Unter Berufung auf Daten aus dem Vereinten Königreich hatte auch die Ständige Impfkommission in Deutschland kürzlich erklärt, der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta sei nach vollständiger Impfung im Vergleich zum Schutz vor anderen Corona-Varianten ähnlich gut.

Mit Informationen von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2021 um 05:30 Uhr.