Ein mit der Flagge Israels und Deutschlands beklebter Eurofighter landet auf dem Stützpunkt Ovda in der Negev-Wüste (Israel) | dpa

"Blue Flag"-Manöver Mehr als nur eine Übung in Israel

Stand: 27.10.2021 13:19 Uhr

Nach zwölf Tagen geht in der Wüste Negev das "Blue Flag"-Manöver zu Ende, an dem auch die Luftwaffe beteiligt war. Eine Übung auf sensiblem Terrain - und mit vielfachem Signalcharakter.

Von Susanne Glass, ARD-Studio Tel Aviv

Der deutsche Eurofighter "Eagle Star" in der israelischen Negev-Wüste, beklebt mit einer speziellen Folie, die die Fahnen Israels und Deutschlands zeigt: Dieses Bild der internationalen Militärübung "Blue Flag" wird und soll bleiben. Denn wenn die deutsche Luftwaffe an einem Manöver in Israel teilnimmt, kann dies nicht nur rein militärisch beurteilt werden. Der Schrecken des Holocaust und die daraus resultierende besondere Verantwortung stehen ebenso stark im Raum. So wurde die Übung, die nach zwölf Tagen zu Ende geht, auch zu einer Demonstration der besonderen Verbundenheit zwischen Israel und Deutschland.

Susanne Glass ARD-Studio Tel Aviv

Für Israel ist es das größte und anspruchsvollste multinationale Manöver, das das Land je ausgerichtet hat. Auf der Ovda-Luftwaffenbasis in der Nähe der Stadt Eilat wurden rund 1000 Soldatinnen und Soldaten sowie 60 Kampfflugzeuge der neuesten Generationen zusammengezogen. Neben den israelischen Gastgebern waren die NATO-Mitglieder USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Griechenland und Deutschland vertreten, außerdem die indische Luftwaffe.

Übungen, die in Deutschland nicht möglich sind

Der israelische Luftraum mit seinen engen Grenzen sowie die Topographie in der Negev-Wüste unterscheiden sich gravierend von den europäischen Verhältnissen. Deshalb "bot die Übung 'Blue Flag' eine einzigartige Gelegenheit, mit anderen Nationen in einem außergewöhnlichen Terrain und Szenario Verfahren zu üben, die wir so in Deutschland nicht können", erklärt der Inspekteur der deutschen Luftwaffe, Ingo Gerhartz. Die deutsche Crew habe viel gelernt, aber gleichzeitig auch dazu beigetragen, dass andere Länder militärisch besser werden.

Gerade die Tatsache, dass hier NATO-Mitglieder gemeinsam mit Israel und Indien trainierten, die eigene Verfahren nutzten, habe einen gegenseitigen Lerneffekt. Vor allem aber, das ist General Gerhatz besonders wichtig, "gaben wir mit unserer Teilnahme der politischen Forderung ein Gesicht, wonach die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson gehört".

Ein Satz, den Kanzlerin Angela Merkel erstmals bei ihrer Rede vor der Knesset 2008 formuliert hatte. Und den sie bei ihrem Abschiedsbesuch in Jerusalem im Oktober, wenige Tage vor Beginn der internationalen Militärübung, nochmals bekräftigt hat.

Gemeinsamer Besuch von Yad Vashem

Die Luftwaffe war mit 160 Männern und Frauen und sechs Eurofightern nach Israel geflogen. Es ist bereits ihre dritte Teilnahme an der alle zwei Jahre in Ovda stattfindenden Übungsserie.

Die besondere Verbundenheit demonstrierten Gerhartz und der Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Amikam Norkin, gleich zum Auftakt: Die Generäle besuchen gemeinsam die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Nach der Kranzniederlegung erklärte Gerhartz: "Unsere Verantwortung wird nicht enden, unsere Erinnerung nicht verblassen. Tief bewegt gebe ich Ihnen unser Versprechen: Niemals wieder!"

Und Norkin erinnert daran, dass im Sommer 2020 erstmals israelische Kampfflugzeuge in Deutschland zu Gast waren und dieser Besuch eine historische Dimension erlangt hat. "Vor einem Jahr standen wir schon zusammen in Dachau", rief der israelische General in Erinnerung, "nachdem wir zuvor gemeinsam am ehemaligen Konzentrationslager vorbeigeflogen sind".

Im August 2020 besuchen Israels Verteidigungsminister Issacharow und Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer gemeinsam die KZ-Gedenkstätte Dachau. | picture alliance/dpa

Gemeinsames Gedenken: Im August 2020 besuchten Israels Verteidigungsminister Issacharow und Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer gemeinsam die KZ-Gedenkstätte Dachau. Bild: picture alliance/dpa

Flug mit Symbolcharakter

Daran wollten beide Staaten nun in Israel mit einer weiteren spektakulären Aktion anschließen: Seite an Seite überflogen Gerhatz im eigens dafür mit den Fahnen beider Länder sonderfolierten Eurofighter und Norkin in einer F-15-Maschine Jerusalem - auch die Knesset, das israelische Parlament.

Als Gerhartz nach dem einstündigen Flug wieder auf festem Boden steht, spricht er von einem der emotionalisten Momente seiner Militärzeit. Er wolle damit auch ein klares Signal nach Deutschland senden, sagt er: "Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz, in der Bundeswehr keinen Platz und auch in der Luftwaffe keinen Platz."

Und er kündigt an, dass das zentrale Lehrsaalgebäude in Appen nach dem ehemaligen Feldwebel der Luftwaffe, Karl Laabs, benannt wird. Laabs hatte mehr als hundert polnische Juden gerettet. Er wird in Yad Vashem als einer der wenigen Deutschen als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.