Der israelische Außenminister Yair Lapid  kommt in den Vereinigten Arabischen Emiraten an. | AFP

Israels Außenminister in Dubai Symbolischer Besuch, gemeinsame Pläne

Stand: 29.06.2021 10:16 Uhr

Der neue israelische Außenminister Lapid ist zu einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingetroffen. Es ist die erste Visite eines israelischen Chefdiplomaten in der Golf-Monarchie.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Als Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr die Normalisierung ihrer Beziehungen bekannt gaben und schließlich sogar eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben, war das eine diplomatische Sensation, die vor allem in Jerusalem und Washington sorgfältig inszeniert wurde.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Benjamin Netanyahu, damals noch Israels Regierungschef, und Donald Trump, damals noch US-Präsident, ließen keinen Zweifel aufkommen: Ohne sie, so die Botschaft, hätte es dieses Abkommen nicht gegeben. Trump rühmte sich als Vermittler der sogenannten Abraham-Verträge zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten - und Netanyahu feierte sich daheim als erfolgreichen Außenpolitiker, der Historisches erreicht hatte. Er nutzte das Abkommen vor allem als PR-Coup.

Netanyahu hatte mit den Emiraten verhandelt, ohne das eigene, damals vom Koalitionspartner geführte, Außenministerium einzubinden. Der damalige Außenminister Gabi Aschkenasi blieb außen vor und durfte auch nicht in die VAE reisen. Diesen ersten öffentlichkeitswirksamen Besuch wollte der Wahlkämpfer Netanyahu unbedingt selbst machen. Doch die Reise musste aus verschiedenen Gründen mehrfach abgesagt werden - zuletzt im März, weil Jordanien kurzzeitig die Überflugrechte verweigerte. Unter der neuen israelischen Regierung sind die Aufgaben nun offenbar anders verteilt, und der frisch ins Amt gekommene Yair Lapid reist als Außenminister an den Golf.

Reisen und Shopping

Während seines zweitägigen Besuchs wird Lapid die israelische Botschaft in Abu Dhabi und ein Generalkonsulat in Dubai offiziell einweihen. Die Eröffnung der Botschaft wurde bereits im Januar formal bekannt gegeben. Seit März sind die Emirate mit einem Botschafter in Israel vertreten - allerdings nicht in Jerusalem, das Israel als Hauptstadt beansprucht. Beide Länder haben auch verschiedene Einzelabkommen über mehr Zusammenarbeit unterschrieben, darunter auch eine Vereinbarung zur Visafreiheit. Insgesamt befindet sich die Normalisierung der Beziehungen noch im Anfangsstadium.

Für die meisten Israelis steht die Annäherung an die Emirate bisher vor allem für Urlaub und Einkaufen. Schon kurz nachdem im vergangenen Jahr Direktflüge zwischen beiden Ländern eingerichtet wurden, flogen viele Israelis an den Golf. Mittlerweile haben Zehntausende die neue Reisefreiheit genutzt. Im vergangenen Dezember gingen Bilder von israelischen Urlaubern um die Welt, die in den Emiraten feierten und Corona-Regeln dabei vielfach nicht besonders ernst nahmen. Israelische Unternehmen hoffen auf gute Geschäfte mit dem Golfstaat. Nach dem Ende der diplomatischen Eiszeit bieten sich nun neue Märkte für Israels boomende Hightech-Branche.

Ein Mann geht an einem Tourismus-Werbestand für Israel vorbei | picture alliance / ASSOCIATED PR

Ein Werbestand für Israel auf einer Reisemesse in Dubai (Bild vom 16.05.2021). Bild: picture alliance / ASSOCIATED PR

Gemeinsame Sicherheitsinteressen

Lapid will während seines Besuch auch politische Gespräche führen. Dabei dürfte es unter anderem um die Rolle des Iran in der Region und den möglichen Wiedereinstieg der USA in das Nuklearabkommen mit Teheran gehen. Die Regierung in Jerusalem und die Führung der Vereinigten Arabischen Emirate verfolgen diese Entwicklung mit Sorge. Sie eint der Wunsch, den Einfluss des Iran in der Region einzudämmen. Beide Länder sehen auch die Gefahr einer militärischen Eskalation.

Israel verzichtete vergangenes Jahr auf ein Veto gegen ein milliardenschweres Rüstungsgeschäft zwischen den USA und den VAE. Teil des Geschäfts ist auch die Lieferung hochmoderner F-35-Kampfflugzeuge. Trump hatte den Deal genehmigt und Israels damaliger Regierungschef Netanyahu öffentlich nicht protestiert - dafür wurde er in Israel kritisiert. Die Lieferung der Kampfjets an die Emirate gefährde Israels militärische Überlegenheit in der Region, warnten Experten. Die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden legte den Waffendeal vorübergehend auf Eis, hat mittlerweile aber grünes Licht gegeben. Lapids Besuch in den Emiraten wird das Waffengeschäft nicht überschatten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2021 um 11:00 Uhr.