Die palästinensische Aktivistin Muna El-Kurd mit Familienmitgliedern bei einer Pressekonferenz | REUTERS

Streit um Häuser in Ost-Jerusalem Palästinenser-Familien lehnen Kompromiss ab

Stand: 02.11.2021 17:41 Uhr

Sie hätten 15 Jahre wohnen bleiben können, aber dafür eine jüdisch-nationalistische Organisation als Besitzer anerkennen müssen. Diesen Kompromissvorschlag des Obersten Gerichtshofs in Israel lehnten palästinensische Familien ab. Nun droht ihnen die Zwangsräumung.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Vier palästinensische Familien im Osten Jerusalems haben einen Kompromissvorschlag zur Verhinderung von Zwangsräumungen abgelehnt. Der Oberste Gerichtshof Israels sei ein Gericht der Besatzung, schreiben die Familien in einer Stellungnahme. Den Vorschlag lehne man einstimmig ab.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Seit Jahren sorgt die mögliche Zwangsräumung palästinensischer Familien für enorme Spannungen, die weit über Ost-Jerusalem hinausgehen. Im Viertel Sheikh Jarrah erhebt eine jüdisch-nationalistische Organisation Anspruch auf mehrere Grundstücke. Vor der Staatsgründung Israels befand sich das Land im Besitz von Juden.

Israelische Gerichte haben der Argumentation der nationalistischen Organisation in der Vergangenheit Recht gegeben. Die palästinensischen Familien sehen sich jedoch als rechtmäßige Eigentümer der Häuser.

Der Kompromissvorschlag sah vor, dass die Familien den Besitz der jüdischen Organisation anerkennen. Dafür hätten sie mindestens 15 Jahre in den Häusern bleiben können und nur eine geringe Miete zahlen müssen. Die Familien sprechen jedoch von Kolonialismus von Siedlern und lehnen einen Kompromiss deshalb ab.

Entscheidung über Zwangsräumung steht damit aus

Der Oberste Gerichtshof muss nun wohl ohne Kompromiss darüber entscheiden, ob die Familien zwangsgeräumt werden müssen. Israel hat Ost-Jerusalem 1967 erobert, besetzt und später annektiert.

Im Mai hatten die Spannungen in Sheikh Jarrah mit zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Hamas im Gazastreifen und Israel geführt. Die Hamas feuerte damals Raketen auf den Großraum Jerusalem und begründete das teilweise mit den Spannungen in dem Viertel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Mai 2021 um 18:30 Uhr.