Israels Iron-Dome-Raketenabwehrsystem fängt Raketen ab, die aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert werden, gesehen vom Gazastreifen aus.  | dpa

Nahost-Konflikt Hamas schließt Waffenruhe nicht aus

Stand: 20.05.2021 12:16 Uhr

Ein Hamas-Offizier hat eine baldige Waffenruhe nicht ausgeschlossen. Israel müsse aber den ersten Schritt tun. Bundesaußenminister Maas will heute vor Ort für eine Waffenruhe werben. Zum Auftakt traf er seinen israelischen Amtskollegen.

Vor dem Besuch des deutschen Außenministers Heiko Maas in Israel hat ein hochrangiges Mitglied der im Gazastreifen herrschenden Hamas eine baldige Waffenruhe mit Israel nicht ausgeschlossen.

"Ich denke, dass es in den nächsten zwei Tagen wahrscheinlich eine Waffenruhe geben wird. Gott weiß, wann die Vermittler eine Einigung erzielen können", zitierten israelische Medien das Hamas-Führungsmitglied Mussa Abu Marzuk in der Nacht. Jedoch forderte er, dass Israel den ersten Schritt tun müsse. "Wenn Israel aufhört, Gaza zu beschießen, werden wir aufhören, auf Tel Aviv zu feuern", zitierte ihn die israelische Nachrichtenseite "ynet".

Netanyahu will hart bleiben

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu fordert hingegen, dass zuerst der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen aufhören müsse. Einen Aufruf von US-Präsident Joe Biden zu einer "deutlichen Deeskalation (...) auf dem Weg zu einer Waffenruhe" wies Netanyahu am Mittwoch zurück. "Ich bin entschlossen, diese Operation fortzusetzen, bis ihr Ziel erreicht ist", teilte er via Twitter mit.

Weitere Angriffe

In der Nacht gab es in Gemeinden in der Nähe des Gazastreifens und auch im 40 Kilometer entfernten Beerscheva wieder Luftalarm. Zehntausende Israelis mussten in die Schutzräume. Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht wieder Ziele in dem Küstenstreifen an.

Bei dem gegenseitigen Beschuss starben bisher im Gazastreifen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 219 Menschen, rund 1530 wurden verletzt. In Israel gab es nach offiziellen Angaben zwölf Tote und Hunderte Verletzte.

Maas: Israels Angriffe sind verhältnismäßig

Bundesaußenminister Maas will heute bei seinem Besuch in Israel und den Palästinensischen Gebieten ausloten, was die internationale Gemeinschaft zu einem Waffenstillstand im Gaza-Konflikt beitragen kann. Zunächst traf er sich mit seinem israelischen Kollegen Gabi Aschkenasi in Tel Aviv. Dabei bekräftigte er die Solidarität Deutschlands mit der israelischen Regierung und das Recht des Landes auf Selbstverteidigung gegen Angriffe der Hamas.

"Für uns ist die Sicherheit Israels und genauso die Sicherheit aller Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht verhandelbar, und darauf kann sich Israel immer verlassen", so Maas. Solange es Staaten und Gruppierungen in der Region gebe, die Israel mit der "Vernichtung drohen", müsse die israelische Regierung in der Lage sein, das Land und seine Bewohner zu beschützen. Deutschland werde auch künftig seinen Beitrag dazu leisten. "Unsere Solidarität erschöpft sich nicht in Gesten", sagte Maas.

Die israelischen Angriffe auf Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen bewertete der Bundesaußenminister als verhältnismäßig. Zum Recht auf Selbstverteidigung gehöre es, "dass man die Einrichtungen, von denen Angriffe auf israelische Ziele ausgehen, nicht weiter operieren lässt", sagte Maas. "Insofern sehen wir das, was Israel tut, als gedeckt vom Recht auf Selbstverteidigung."

Später Besuch in Ramallah

Die Gewalteskalation habe das Leid der Menschen auf beiden Seiten vergrößert, sagte Maas. "Das macht uns große Sorgen." Die Bundesregierung unterstütze daher die internationalen Bemühungen um einen Waffenstillstand. Israels Außenminister Aschkenasi dankte Maas für die Solidarität und Unterstützung der Bundesregierung. Deutschland spiele eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer Lösung des Nahost-Konflikts. 

Der Bundesaußenminister will nach seinem Treffen mit Aschkenasi mit dem israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz und Staatspräsident Reuven Rivlin zusammenkommen. In Ramallah wird Maas nach Angaben des Auswärtiges Amts anschließend den palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Schtajjeh treffen.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Weltspiegel Extra" am 19. Mai 2021 um 22:50 Uhr.