Sanitäter und Sicherheitskräfte auf dem Gelände des Lag Baomer-Festes | dpa

Jüdischer Feiertag Lag Baomer Dutzende Tote bei Massenpanik in Israel

Stand: 30.04.2021 07:59 Uhr

Zehntausende Gläubige waren zum Lag-Baomer-Fest in den Norden Israels geströmt - dann brach eine Massenpanik aus. Mindestens 44 Menschen kamen ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Die Unglücksursache ist unklar.

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am frühen Morgen von einer "unfassbaren Katastrophe".

Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, viele lebensgefährlich. Sie wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Auch die israelische Armee schickte Ärzteteams und Helikopter nach Meron. Die Polizei hat nach eigenen Angaben zwei Personen festgenommen - was genau ihnen vorgeworfen wird, ist nicht bekannt.

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb bei Twitter, er verfolge die Berichte aus Meron und bete für die Genesung der Verletzten. Regierungschef Benjamin Netanyahu äußerte sich erschüttert über das "schlimme Unglück". Er bete für die Verletzten. Oppositionsführer Jair Lapid sprach von einer "traurigen" Nacht für das Land. 

Unglückursache weiter unklar

Tausende Ultraorthodoxe hatten in Meron den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften.

Was genau dann die Massenpanik auslöste, ist unklar. Manche sprechen von einem Mann, der stolperte - andere von einer Struktur, die in sich zusammenbrach. "Es war sehr voll, vielleicht 60.000 bis 70.000 Menschen", sagte ein junger Gläubiger der Nachrichtenagentur Reuters. "Man konnte sich nicht mehr bewegen. Dann fielen die Menschen zu Boden. Sehr viele Menschen fielen zu Boden."

Rettungskräfte schirmen Opfer von der Öffentlichkeit ab, nachdem bei einem jüdischen Fest in Israel eine Massenpanik ausgebrochen war.  | AFP

Rettungskräfte schirmen Opfer von der Öffentlichkeit ab. Bild: AFP

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte dem israelischen Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. "Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte er. "Das sind unfassbare Zahlen". Auch ein Sanitäter sagte, er habe schreckliche Bilder gesehen.

Konfrontationen am Unglücksort

Die Rettungsarbeiten wurden offenbar erschwert, weil sich Hunderte Strenggläubige geweigert haben sollen, den Unglücksort zu verlassen. Wie die "Times of Israel" berichtete, folgten sie den Anweisungen der Polizei nicht. Es sei auch zu Auseinandersetzungen gekommen, unweit des Ortes der Panik. "Sie blockieren uns ohne Grund", zitierte die Zeitung einen Anwesenden. "Ich will beten." Auch im Fernsehen waren Bilder der Konfrontationen zu sehen.

Erinnerung an jüdischen Aufstand gegen die Römer

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Das Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden. Und auch in diesem Jahr hatte es Diskussionen gegeben, ob eine so große Menschenansammlung eine gute Idee ist. Das Gesundheitsministerium warnte vor Ansteckungen, obwohl in Israel relativ viele Menschen geimpft sind. Das Religionsministerium hatte jedoch weniger Bedenken.

Mit Informationen von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel-Aviv

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2021 um 07:37 Uhr.