Ein Feuerwehrmann löscht brennende Trümmer in Gaza | REUTERS

Nahostkonflikt Die Gewalt nimmt nicht ab

Stand: 17.05.2021 14:32 Uhr

Die Menschen im Gazastreifen sprechen von den schlimmsten Attacken Israels seit der Eskalation des Konflikts vor knapp einer Woche. Die Hamas feuerte erneut Raketen auf Israel ab. Die Bundesregierung findet deutliche Worte.

Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht auf Montag erneut heftige Angriffe auf den Gazastreifen geflogen. Bewohner sprachen von den schlimmsten Attacken seit Beginn des Kriegs vor einer Woche. Zunächst wurden keine Opfer der jüngsten Angriffe vermeldet.

In Gaza wurde ein dreistöckiges Gebäude schwer beschädigt. Bewohner berichteten, das Militär habe sie zehn Minuten vor dem Angriff gewarnt und alle hätten das Gebäude verlassen. Viele Luftangriffe hätten landwirtschaftliche Flächen in der Nähe getroffen. Der Bürgermeister von Gaza, Jahja Sarradsch, sagte dem Fernsehsender Al-Dschasira, die Luftangriffe hätten große Schäden an Straßen und anderer Infrastruktur hervorgerufen. Im Gazastreifen würden Kraftstoff und Ersatzteile knapp.

Ein Sprecher des örtlichen Energieversorgers sagte, die Kraftstoffvorräte für das Kraftwerk, das Gaza mit Strom versorgt, reichten noch für zwei oder drei Tage. Zerstörte Leitungen könnten wegen der ständigen israelischen Angriffe derzeit nicht repariert werden.

Israels Armee: Militärkommandeur des Islamischen Dschihad getötet

Bewohner des Gazastreifens berichteten, die jüngsten Angriffe seien heftiger gewesen als eine etwa 24 Stunden zuvor durchgeführte Angriffsserie, bei der 42 Palästinenser getötet worden waren.

Das israelische Militär teilte mit, es habe 35 "Terrorziele" getroffen, darunter Häuser von neun ranghohen Kommandeuren der militanten Palästinenserorganisation Hamas. Bei den Angriffen habe die israelische Armee gezielt einen ranghohen Militärkommandeur der Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad getötet: Hasem Abu Harbid, den Leiter des nördlichen Kommandos der militanten Organisation. Er sei für mehrere Anschläge auf israelische Zivilisten und Soldaten sowie für Raketenangriffe auf Israel verantwortlich.

Außerdem habe man Tunnel der palästinensischen Kämpfer mit einer Gesamtlänge von 15 Kilometern zerstört. 54 Flugzeuge seien an dem Einsatz beteiligt gewesen, so das israelische Militär. Die Palästinenser hätten rund 60 Raketen auf Israel abgefeuert. Das seien allerdings etwas weniger gewesen als in den beiden vorangegangenen Tagen, als es 120 beziehungsweise 200 Raketen gewesen seien.

Erneut Raketen auf Israel

Nach Medienberichten wurden bei einem anderen gezielten Luftangriff Israels auf ein Auto im Gazastreifen drei Palästinenser getötet. Ein Armeesprecher sagte, man prüfe den Bericht. Militante Palästinenser beschossen nach den beiden Zwischenfällen an den Gazastreifen grenzende Gebiete sowie die Städte Beerscheva, Aschkelon und Aschdod. Ein Einwohner von Aschdod berichtete von einer heftigen Explosion in der Stadt.

Bundesregierung fordert von Hamas Ende des "Terrors"

Die Bundesregierung hat das Vorgehen der radikal-islamischen Hamas im Nahostkonflikt erneut scharf kritisiert und die Angriffe Israels auf den Gazastreifen für legitim erklärt. "Der Raketenbeschuss der Hamas muss aufhören", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Das ist Terror, der darauf ausgerichtet ist, willkürlich Menschen zu töten."

Seibert betonte zudem: "In dieser Situation steht die Bundesregierung zu Israel und zu seinem Recht, seine Bevölkerung zu schützen." Er fügte aber hinzu: "Wir vertrauen darauf, dass Israel hier mit Augenmaß und Wahrung der Verhältnismäßigkeit agiert."

Konflikt vor einer Woche eskaliert

Eskaliert war der Konflikt am Montagabend vor einer Woche. Nach Angaben des Militärs feuerten militante Palästinenser seither mehr als 3150 Raketen auf Israel ab. Etwa 460 der abgeschossenen Raketen seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen.

Zehn Menschen wurden bislang in Israel in Folge von Beschuss getötet. Das Abwehrsystem "Iron Dome" habe eine Abfangquote von etwa 90 Prozent. Zum Vergleich: Während des 51-tägigen Gaza-Krieges im Jahr 2014 wurden insgesamt 4481 Raketen auf Israel abgefeuert. Das Militär griff nach eigenen Angaben bisher mehr als 820 Ziele im Gazastreifen an. Mehr als 130 Mitglieder von Hamas und Islamischem Dschihad seien getötet worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Mai 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.