Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans | dpa

Nach Angriff auf Atomanlage Iran will Uran auf 60 Prozent anreichern

Stand: 13.04.2021 19:17 Uhr

Es wäre der höchste Grad der Anreicherung, den der Iran bisher verfolgt hat - nach dem Angriff auf seine Atomanlage in Natans will Teheran seine Urananreicherung auf 60 Prozent erhöhen. Die Gespräche über das Atomabkommen stehen derzeit unter keinem guten Stern.

Der Iran plant nach dem mutmaßlich israelischen Angriff auf seine Atomanlage in Natans den Grad seiner Urananreicherung auf 60 Prozent zu erhöhen. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wird Vize-Außenminister Abbas Aragchi auch die UN-Atombehörde IAEA davon in Kenntnis setzen. Aragchi ist derzeit in Wien, um die iranische Delegation bei den Gesprächen über die Zukunft des Atomabkommens zu leiten.

Uran für medizinische Zwecke?

Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI sollen die Vorbereitungen für die 60-prozentige Anreicherung in Natans noch am Abend beginnen. AEOI-Sprecher Behrus Kamalwandi zufolge soll das Uran für medizinische Zwecke verwendet werden. Gleichzeitig startet auch die Produktion der neuen Zentrifugen, die die bei dem Angriff beschädigten Teile umgehend ersetzen sollen, so der Sprecher laut Nachrichtenagentur Fars.

Militärische Nutzung bei 90 Prozent

Das 2015 geschlossene Atomabkommen erlaubt dem Iran die Anreicherung von Uran auf maximal 3,67 Prozent. Dies soll verhindern, dass der Iran die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen erlangt. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine militärische Nutzung von Atomkraft liegt bei 90 Prozent. Bereits im Januar hatte der Iran mit der Urananreicherung auf 20 Prozent begonnen.

In einem weiteren Verstoß gegen das Atomabkommen will Teheran laut dem Irna-Bericht die Zahl der Zentrifugen in der Atomanlage Natans um weitere 1000 aufstocken. Die neuen Zentrifugen hätten 50 Prozent mehr Kapazität als die bereits in der Anlage vorhandenen, hieß es in dem Bericht. 

Warnung an die USA und an Israel

Teheran macht seinen Erzfeind Israel für den Angriff auf die unterirdische Atomanlage Natans am Sonntag verantwortlich. Nach dem Angriff hatte Teheran vor schädlichen Auswirkungen auf die laufenden Gespräche zur Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens gewarnt.

Die USA hatten erklärt, sie hätten nichts mit dem Zwischenfall vom Sonntag zu tun. Dennoch hatte Irans Außenminister Dschawad Sarif auch eine Warnung an Washington gerichtet. Die Amerikaner sollten wissen, dass weder Sanktionen noch Sabotageakte ihnen ein Instrument für Gespräche liefern würden, sagte Sarif an der Seite seines russischen Kollegen Sergej Lawrow in Teheran. "Sie sollten wissen, dass diese Aktionen die Lage für sie nur schwierig machen würden."

Auch an Israel gerichtet bekräftigte Sarif vor der Äußerung Araghchis eine frühere Warnung. Wenn der Iran feststelle, dass der Erzfeind für den Sabotageakt verantwortlich sei, werde "Israel seine Antwort erhalten und sehen, was es Dummes getan hat".

Iran: "Keine größeren Schäden"

Was genau in Natans passiert ist - sowie das Ausmaß der Schäden - war zunächst weiterhin unklar. Nach Angaben der iranischen Atomorganisation richtete der Angriff keine größeren Schäden an. "Das war nur eine leichte Brise, die uns nicht mal zum Zittern bringt", behauptete ein Sprecher. Die "New York Times" hingegen berichtete unter Berufung auf US-Geheimdienstler, die Uran-Anreicherung des Iran werde um mindestens neun Monate zurückgeworfen.

Bei den Atomgesprächen in Wien wird seit vergangener Woche nach Wegen gesucht, wie Washington in das Nuklearabkommen von 2015 zurückkehren und der Iran wieder zu dessen Einhaltung verpflichtet werden könnte. An den Gesprächen, die in dieser Woche fortgesetzt werden sollen, nahmen Diplomaten aus dem Iran, Großbritannien, China, Frankreich, Deutschland und Russland teil, nicht aber Vertreter der USA. Letztere entsandten jedoch eine Delegation nach Österreich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2021 um 18:00 Uhr.