Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans | dpa

IAEA-Bericht Iran hat mehr angereichertes Uran als erlaubt

Stand: 30.05.2022 21:15 Uhr

Der Iran verfügt über viel mehr angereichertes Uran als vereinbart. Das berichtet die Internationale Atomenergiebehörde. Westliche Diplomaten warnen vor dem Scheitern eines neues Atompaktes.

Der Iran verfügt nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über 18-mal mehr angereichertes Uran als im internationalen Atomabkommen von 2015 vereinbart. Laut dem jüngsten IAEA-Bericht befanden sich Mitte Mai schätzungsweise 3809,3 Kilogramm angereichertes Uran in den Beständen des Landes. In dem Abkommen, das 2018 von den USA einseitig aufgekündigt worden war, hatte sich der Iran zu einer Höchstgrenze von 202,8 Kilogramm verpflichtet.

Dem Bericht zufolge reichert der Iran zudem weiterhin Uran höher an als auf den in dem Abkommen festgehaltenen Wert von 3,67 Prozent. Der Bestand an auf bis zu 20 Prozent angereichertem Uran stieg demnach seit März um 56,3 Kilogramm auf 238,4 Kilogramm, der an auf bis zu 60 Prozent angereichertem Uran um 9,9 Kilo auf 43,1 Kilo. Zum Bau von Atombomben ist auf rund 90 Prozent angereichertes Uran notwendig.

Trump hatte Abkommen aufgekündigt

Das internationale Atomabkommen von 2015 sicherte dem Iran die Lockerung von Sanktionen zu. Dafür sollte Teheran sein Atomprogramm einschränken. Die USA stiegen unter dem früheren Präsidenten Donald Trump 2018 einseitig aus dem Abkommen aus. In der Folge hielt auch Teheran seine Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht mehr ein und weitete sein Atomprogramm wieder aus. 

Neuerliche Einschränkung weitestgehend ausverhandelt

Der Quartalsbericht der IAEA zum Iran wurde vor dem Hintergrund der Verhandlungen über die Rettung des Atompaktes mit dem Iran erstellt. Die Gespräche stehen auf der Kippe, weil sich Washington und Teheran nicht darauf einigen können, welche US-Sanktionen wieder aufgehoben werden. Eine neuerliche Einschränkung des iranischen Atomprogramms ist hingegen schon weitgehend ausverhandelt. Westliche Diplomaten warnen seit Monaten, dass die Wiederherstellung des Atomabkommens von 2015 immer unwahrscheinlicher werde, je weiter der Iran insbesondere die Uran-Anreicherung vorantreibe.

Teheran hat stets betont, nicht nach Atomwaffen zu streben, sondern Uran nur für Atomkraftwerke und für wissenschaftliche und industrielle Zwecke zu verwenden. Die IAEA konnte dies bislang jedoch nicht bestätigen. Laut einem weiteren Bericht, den die Behörde vorlegte, hat Teheran entgegen einer Vereinbarung noch immer nicht erklärt, warum die IAEA Spuren von Uran an mehreren Orten entdeckt hat, die nicht als offizielle Atomanlagen deklariert wurden. Der Iran habe "keine technisch glaubhaften Erklärungen geliefert", hieß es.