Der südkoreanische Tanker MT Hankuk Chemi wird von zwei Booten im persischen Golf eskortiert. (Bild: 04.01.21) | picture alliance/dpa/Tasnim News

Monatelange Festsetzung Iran lässt südkoreanischen Tanker frei

Stand: 09.04.2021 10:12 Uhr

Der Iran hat nach Monaten ein südkoreanisches Schiff freigelassen. Vor der Festsetzung hatte Südkorea iranische Konten im Zuge von Sanktionen eingefroren. Der Zeitpunkt der Freilassung ist wohl kein Zufall.

Drei Monate nach der Festsetzung eines südkoreanischen Tankers im Persischen Golf hat der Iran nach Angaben der Regierung in Seoul das Schiff wieder freigegeben. Auch der Kapitän des Chemikalien- und Ölprodukte-Tankers "Hankuk Chemi" sei auf freien Fuß gesetzt worden, teilte Südkoreas Außenministerium mit. "Das Schiff ist heute sicher abgefahren", hieß es. Der Kapitän und die anderen Besatzungsmitglieder seien wohlauf.

Tanker war gestürmt worden

Das Schiff war im Januar auf dem Weg vom saudi-arabischen Dschubail nach Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen, als es von bewaffneten Soldaten der iranischen Revolutionsgarde erstürmt wurde. Sie zwangen die Crew, den Kurs zu ändern und Richtung Iran zu fahren. Zum Zeitpunkt der Festsetzung des Tankers befanden sich 20 Crewmitglieder an Bord. Die Besatzung war bis auf den Kapitän bereits im Februar freigelassen worden. Um das Schiff instand zu halten, waren aber zuletzt noch 13 Besatzungsmitglieder auf dem Schiff.

Laut Iran hatte die "Hankuk Chemi" das Meer in der Straße von Hormus verschmutzt. Es war demnach in die Hafenstadt Bandar Abbas geleitet worden, damit sich die Justizbehörden mit den Verstößen befassen konnten. Der Vorfall hatte zu einer diplomatischen Krise zwischen den beiden asiatischen Staaten geführt, die eigentlich eine gute Beziehung zueinander pflegen.

Zankapfel US-Sanktionen

Der Zwischenfall hatte sich zu einem Zeitpunkt ereignet, als es wegen eingefrorener iranischer Bankkonten in Südkorea zwischen beiden Seiten Spannungen gab. Die Konten waren infolge der Sanktionen der USA gegen Teheran gesperrt worden. Nach Berichten südkoreanischer Medien ging es um sieben Milliarden Dollar, also etwa 5,3 Milliarden Euro. Iranische Medien sprachen von Milliarden "Ölgeldern", die eingefroren seien. Teheran forderte demnach, dass die Konten freigegeben werden.

Im Februar hatte Südkoreas Außenministerium erklärt, dass über die Freigabe der Gelder nur nach Konsultationen mit betroffenen Ländern einschließlich der USA entschieden werden könne.

Heute gehen Atomgespräche weiter

Zu den Konditionen der Freilassung äußerte sich Südkorea nicht. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap deutete unter Berufung auf eine anonyme Quelle im Außenministerium an, dass Südkorea Beiträge des Iran zu den Vereinten Nationen begleichen könnte, mit deren Bezahlung die Islamische Republik sich in Verzug befindet.

Zudem ließ der Iran den Tanker wenige Stunden vor einer Fortsetzung der Verhandlungen mit mehreren Staaten über sein Atomprogramm frei. Die Gespräche über eine Wiederbelebung des Abkommens aus dem Jahr 2015 waren Anfang der Woche in Wien wieder aufgenommen worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. April 2021 um 08:00 Uhr.