Protestierende an der Azad Universität in Schahr-e Kord, Iran | Reuters

Demonstrationen gegen Regime Proteste im Iran weiten sich aus

Stand: 17.10.2022 19:16 Uhr

Im Iran gehen Einsatzkräfte weiter mit brutaler Härte gegen Demonstrierende vor. Dennoch gehen die Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini weiter - unter anderem im Zentrum des Landes. Bislang gab es mehr als 120 Tote.

Im Iran ist es zu erneuten Protesten gekommen. Regierungsgegner gingen in Yazd im Zentrum des Landes sowie in mehreren anderen Städten auf die Straßen, darunter auch in Piranschahr nordwestlich von Teheran. Auf dem von vielen Menschen abonnierten Twitter-Konto Tasvir1500 wurde ein Video veröffentlicht, in dem Menschen Reifen in Brand setzten und den Tod des obersten geistlichen Führers Ayatollah Ali Khamenei forderten. Die Authentizität der Aufnahmen lässt sich nicht überprüfen.

Die Sicherheitskräfte konzentrieren ihre Einsätze nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gegen Regierungskritiker auf den Nordwesten des Iran, wo die meisten der zehn Millionen Kurden des Landes wohnen. Die Proteste sind allerdings auf weitere Minderheiten in anderen Landesteilen übergesprungen. Sie hatten sich nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini entzündet, die vor einem Monat gestorben war. Die sogenannte Sittenpolizei hatte sie wegen des Vorwurfs festgenommen, ihr Kopftuch nicht richtig getragen zu haben.

Mehr als 120 getötete Demonstranten

Das iranische Regime geht seitdem mit aller Härte gegen die meist jungen demonstrierenden Frauen und Männer vor. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo gibt die Zahl der bisher getöteten Demonstranten im Zusammenhang mit Amini mit 122 an. Sie hatte zuvor von mindestens 108 Toten gesprochen. 93 weitere Tote gab es laut IHR bei mehrtägigen gewaltsamen Zusammenstößen in der Stadt Sahedan in der Provinz Sistan-Balutschistan. Sie begannen am 30. September, nachdem ein junges Mädchen mutmaßlich von einem Polizisten vergewaltigt worden war. 

Viele Kinder unter den Toten

Unter den Toten sind nach Angaben der Vereinten Nationen auch mindestens 23 Kinder. Hunderte seien zudem verletzt, festgenommen und misshandelt worden, teilte das UN-Kinderrechtskomitee mit. Familien seien nach eigener Aussage zu falschen Angaben gedrängt worden, etwa, dass ihre Kinder Suizid begangen hätten. Das Komitee verurteilte die Verletzung von Kinderrechten und forderte eine unabhängige Untersuchung sowie die Verfolgung der Verantwortlichen. Kinder seien bei friedlichen Demonstrationen zu schützen.

Trotz des Einsatzes der gefürchteten Basidsch-Milizen und freiwilliger Militäreinheiten ist es der Regierung bislang nicht gelungen, die seit Wochen andauernden Proteste einzudämmen. Die Elitetruppe Revolutionsgarden ist bislang nicht gegen die Demonstranten eingesetzt worden. Sie haben allerdings Manöver gestartet.

Acht Tote nach Gefängnisbrand

Die Zahl der Toten nach dem Brand im Ewin-Gefängnis in Teheran, in dem zahlreiche politische Gefangene einsitzen, stieg derweil auf acht. Wie die iranische Justiz auf ihrer Internetseite Misan Online mitteilte, starben vier weitere Häftlinge im Krankenhaus. Am Sonntag hatte die iranische Justiz zunächst vier Tote und 61 Verletzte gemeldet, darunter vier Schwerverletzte.

Menschenrechtsorganisationen befürchten eine noch höhere Opferzahl. IHR wies die von den Behörden genannte Zahl zurück und verwies auf die "lange Geschichte der Verschleierung von Fakten" in der Islamischen Republik. Die Organisation erklärte, sie habe Berichte erhalten, dass im Ewin-Gefängnis "Spezialeinheiten eingesetzt wurden, um Gefangene aufzuhetzen und den Grund für ein hartes Vorgehen zu schaffen". Sie forderte eine von den Vereinten Nationen unterstützte internationale Untersuchung, um die Vorgänge aufzuklären.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 17. Oktober 2022 um 15:07 Uhr.