Die Spieler der iranischen Nationalmannschaft stehen nebeneinander auf dem Spielfeld. | REUTERS

Proteste im Iran Nationalmannschaft "auf der Seite des Volkes"

Stand: 29.09.2022 12:41 Uhr

Angesichts der anhaltenden Proteste im Iran haben sich nun auch Spieler der Nationalmannschaft zu Wort gemeldet und die Demonstrierenden bestärkt. Im Trainingslager sei ihnen zuvor der Internetzugang verweigert worden.

Mehrere Spieler der iranischen Fußballnationalmannschaft haben sich mit den andauernden Protesten im Land solidarisiert. "Wir sind immer auf der Seite des Volkes, das in diesen Tagen nichts anderes fordert als seine grundsätzlichen Rechte", schrieb Mannschaftskapitän Alireza Jahanbakhsh auf seiner Instagram-Seite. Der bei Feyenoord Rotterdam in den Niederlanden spielende Jahanbakhsh habe sich bislang zu den Protesten nicht äußern können, weil ihm der Internetzugang während des Trainingslagers des Nationalteams in Österreich nicht erlaubt war.

Auch Stürmer Mehdi Taremi meldete sich auf bei Instagram zu Wort. "Ich schäme mich (als Iraner), wenn ich die Bilder der letzten Tage sehe", schrieb der 30-Jährige. Gewalt sei inakzeptabel und werde die Probleme des Landes definitiv nicht lösen, so der Stürmer des FC Porto. 

Der für den Bundesligisten Bayer Leverkusen spielende Sardar Azmoon hatte die Proteste bereits während des Trainingslagers und vor den Freundschaftsspielen gegen Uruguay (1:0) und Senegal (1:1) unterstützt. "Ich hoffe nur, dass die Frauen im Iran eines Tages den Status haben werden, den sie auch verdienen", sagte der 27 Jahre alte Mittelstürmer.  

Raisi kündigt Bericht von Gerichtsmedizinern an

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi demonstrierte erneut Härte gegenüber regierungskritischen Demonstranten. Der Fall von Mahsa Amini habe alle "traurig" gemacht, aber "niemand wird zulassen, dass das Chaos die Sicherheit der Menschen gefährdet", sagte Raisi in einer Ansprache. Er verteidigte auch die Sicherheitskräfte, die in den vergangenen zwei Wochen in ganz Iran mit Demonstranten zusammengestoßen waren. Die Gerichtsmediziner würden in den nächsten Tagen einen Bericht über den Tod von Amini vorlegen, sagte Raisi weiter.

Raisi stimmte jedoch auch erstmals versöhnlichere Töne an. "Ich habe schon immer gesagt, dass wir unserer Toleranzschwelle bezüglich Kritik und auch Protesten erhöhen sollten", sagte er. Der Weg dahin ist laut Raisi offen, man könnte im Land dazu auch Zentren für Diskussionen eröffnen. "Auch die Umsetzung der Gesetze könnte reformiert und revidiert werden. Dies würde dem Land sogar nützen." Er ließ jedoch offen, welche Gesetze revidiert werden könnten und ob auch islamische Gesetze wie das Kopftuchgebot dazu gehören.

Mindestens 41 Tote nach Protesten

Auslöser der Proteste war der Tod der 22 Jahre alten Amini. Sie war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie gegen die Kopftuch-Regeln verstoßen haben soll. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Die junge Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben.

Kritiker werfen der Polizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. Bei den anhaltenden Protesten sind seitdem nach offiziellen Angaben 41 Menschen ums Leben gekommen. Menschenrechtsgruppen gehen von höheren Zahlen aus.

Weitere Journalistin festgenommen

Nach Angaben der reformorientierten "Hammihan"-Zeitung wurde zudem eine weitere Journalistin wegen ihrer Berichterstattung über die Proteste festgenommen. Elahe Mohammadi sei zunächst von der Justizbehörde einbestellt, aber schon auf dem Weg dorthin festgenommen worden. Genaue Angaben zu der Anzahl der festgenommenen und der inhaftierten Journalisten gibt es zwar nicht, aber die Rede ist von Dutzenden.

Der iranische Journalistenverband hat bereits mehrmals die sofortige Freilassung aller einheimischen Reporterinnen und Reporter gefordert, die wegen der Berichte über die Proteste in Haft sitzen. Nach Darstellung der iranischen Justiz können jegliche Unterstützung für und Berichte über die Proteste zu weiteren Ausschreitungen führen und deshalb auch als Straftat ausgelegt werden.

Der Journalistenverband weist dies vehement zurück und argumentiert, dass die Journalisten lediglich ihrer Arbeit nachgingen. Außerdem seien diese Festnahmen und Inhaftierungen in höchstem Maße schädlich für das Ansehen iranischer Medien.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 29. September 2022 um 11:12 Uhr.