Protest in Teheran | AP

Proteste gegen Regime Wieder schwere Auseinandersetzungen im Iran

Stand: 22.09.2022 14:08 Uhr

Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini halten die Proteste gegen das Regime im Iran an. Es gab offenbar weitere Tote. Der Zugang zum Internet wurde nach Angaben zweier Organisationen eingeschränkt.

Die Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini gehen weiter, Tausende Menschen waren nach iranischen Medienberichten in etwa 15 Städten auf den Straßen.

In der Nacht gab es erneut gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Iranischen Medien zufolge sind bisher elf Menschen getötet worden - darunter offenbar auch vier Sicherheitskräfte. Die Nachrichtenagentur AP zählte neun Tote.

Die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw meldet zehn Demonstranten, die von Sicherheitskräften getötet worden seien. Offizielle iranische Stellen bestreiten das und behaupten, bewaffnete Dissidenten hätten sie erschossen. Die Angaben beider Seiten lassen sich aktuell nicht überprüfen.

Videos von Frauen, die Kopftücher verbrennen

Am vergangenen Freitag war die 22-jährige Amini in einem Krankenhaus in Teheran gestorben. Vor ihrem Tod hatte die Sittenpolizei ihr vorgeworfen, sich nicht an die strengen Hidschab-Vorschriften zu halten, und sie festgenommen.

Viele Menschen spekulierten im Anschluss darüber, dass die Polizisten Amini geschlagen haben. Irans Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli und die Polizei bestreiten das, die Behörden leiteten aber Ermittlungen ein. Ein ranghoher Berater sagte, Ajatollah Ali Khamenei drücke Aminis Familie sein Beileid und "seinen Schmerz über ihren Tod" aus.

Auf Videos in den sozialen Netzwerken sah man im Anschluss unter anderem Frauen, die ihre Kopftücher verbrannten, und zwei Demonstranten, die zwei große Plakate mit den Köpfen des früheren Obersten Führers Ruhollah Khomeini und seinem Nachfolger Khamenei zerreißen. Ob die Videos echt sind, lässt sich schwer überprüfen. Auch die Dimension der Proteste ist schwer einzuschätzen.

Bisherige Demonstrationen niedergeschlagen

Der Iran-Experte Ali Fathollah Nejad erklärt anhand englischsprachiger Studien: "Wenn wir uns allein die Zahlen vor Augen führen, haben wir letztes Jahr 4000 Proteste im Iran gehabt. Das ist ein Rekordwert seit 2016. Und im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wir 2200 Proteste gesehen. Das bedeutet: Wir sehen einen großen Unmut unter verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen gegen das Regime."

Bisher ist es dem Regime in Teheran allerdings immer gelungen, diese Demonstrationen niederzuschlagen - ob sie wegen hoher Benzinpreise 2019 stattfanden, wegen nicht gezahlter Löhne, dem versehentlichen Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine 2020, wegen Wassermangel oder eines eingestürzten Gebäudes mit vielen Toten diesen Sommer.

Das Internet ist offenbar blockiert

Die Behörden haben nun offenbar das Internet blockiert, berichten die Menschenrechtsorganisation Hengaw und die Beobachtungstelle für Internetsperren, NetBlocks. Der Zugang zu Instagram sei eingeschränkt, die Mobilfunknetze zudem abgeschaltet. Instagram ist die einzige große Social-Media-Plattform, die im Iran zugelassen ist.

"Der Iran unterliegt nun den strengsten Internetbeschränkungen seit dem Massaker im November 2019", teilte NetBlocks mit. Damals waren 1500 Menschen getötet worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. September 2022 um 08:00 Uhr.