Israels Premierminister Benjamin Netanyahu | REUTERS

Im Golf von Oman Netanyahu wirft Iran Angriff auf Frachter vor

Stand: 01.03.2021 11:39 Uhr

An Bord eines israelischen Frachtschiffes kam es am Donnerstag im Golf von Oman zu einer Explosion. Israels Ministerpräsident macht den Iran dafür verantwortlich - Teheran weist die Anschuldigung zurück.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat den Iran für einen Angriff auf ein israelisches Frachtschiff im Golf von Oman verantwortlich gemacht. "Es geht auf das Konto des Irans, das ist klar", sagte Netanyahu dem öffentlich-rechtlichen Sender "Kan".

Der Iran sei "der größte Feind Israels" und er sei entschlossen, diesen zu "stoppen". Hinsichtlich der Frage nach Vergeltungsangriffen sei seine Politik bekannt, sagte Netanyahu weiter. Israel werde den Iran "überall in der Region angreifen". Der Iran werde auch nicht in den Besitz einer Atomwaffe gelangen. Dies habe er seinem Freund, US-Präsident Joe Biden, gesagt, fügte Netanyahu hinzu.

Keine Verletzten durch Explosion

"Wir weisen diese Anschuldigung entschieden zurück", sagte ein iranischer Außenamtssprecher zu den Vorwürfen. Das israelische Frachtschiff "MV Helios Ray" war auf dem Weg nach Singapur, als es am vergangenen Donnerstag auf der Höhe des Sultanats von Oman von einer Explosion erschüttert wurde.

Der Schiffseigner Rami Ungar erklärte, bei dem Vorfall sei niemand verletzt worden. Auch der Motor des Schiffs sei nicht beschädigt worden. Laut dem israelischen Sender Kan trafen sich ranghohe israelische Sicherheitsvertreter am Sonntagabend, um über den mutmaßlichen iranischen Angriff auf die "MV Helios Ray" zu beraten.

Nach Informationen der ultrakonservativen iranischen Zeitung "Kayhan" handelte es sich um ein "Spionageschiff" der israelischen Armee. Das Schiff sei wahrscheinlich von Mitgliedern der "Achse des Widerstands" angegriffen worden, berichtete "Kayhan" am Wochenende, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die "Attacken und Verbrechen" Israels in der Region hätten das Schiff offenbar zu einem "legitimen Ziel" gemacht. Die sogenannte Achse des Widerstands ist ein Bündnis zwischen dem Iran, Syrien, der libanesischen Hisbollah, der palästinensischen Hamas und anderen Gruppen, das gegen Israel und die westliche Militärpräsenz in der Golfregion gerichtet ist.

Israelische Luftangriffe in Syrien

Unterdessen berichtete die syrische Nachrichtenagentur "Sana", die syrische Luftwaffe habe am späten Sonntagabend mehrere israelische Raketen abgefangen. Israels Armee habe von den "besetzten syrischen Golanhöhen" aus einen Luftangriff auf Ziele in der Umgebung von Damaskus gestartet, meldete "Sana" unter Berufung auf Militärkreise. Die syrische Luftwaffe habe "die meisten Raketen zu Fall gebracht". Tote oder Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. 

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war das im Süden von Damaskus gelegene Gebiet Sayyida Seinab Ziel der Angriffe. Dort sind Kämpfer der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Hisbollah präsent. 

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 hat das israelische Militär bereits Hunderte Luftangriffe gegen die syrischen Regierungstruppen und ihre Verbündeten geflogen. Israel will verhindern, dass der Iran seinen Einfluss in Syrien ausdehnt. Die israelische Regierung und die Armee bestätigen nur selten Militäreinsätze in dem Nachbarland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2021 um 14:00 Uhr.