Der hingerichtete iranische Rapper Mohsen Shekari wird in einer Twitter-Nachricht betrauert. | AFP

Proteste im Iran 24 weitere Menschen sollen hingerichtet werden

Stand: 10.12.2022 09:08 Uhr

Nach der Hinrichtung des iranischen Rappers Mohsen Shekari kursiert eine Liste mit 24 weiteren Namen von Demonstrantinnen und Demonstranten, die ein Todesurteil erwartet. International wird das Regime scharf kritisiert.

Im Iran droht nach den anhaltenden Protesten mindestens 24 Demonstrantinnen und Demonstranten die Hinrichtung. Die iranische Tageszeitung "Etemad" veröffentlichte eine Liste der Justizbehörde mit 25 Namen von Protestierenden, denen "Kriegsführung gegen Gott" vorgeworfen wird. Gemäß islamischer Rechtsauffassung steht darauf das Todesurteil.

Auf der Liste steht auch der Name des Rap-Musikers Mohsen Shekari, der bereits am Donnerstag hingerichtet wurde. Ihm wurde vorgeworfen, ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Miliz mit einer Waffe angegriffen, Schrecken verbreitet und eine Straße blockiert zu haben.

Demonstrierende drohen mit Vergeltung

Die Hinrichtung wurde im Ausland scharf verurteilt. Die Bundesregierung hat den iranischen Botschafter einbestellt. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock warf der Führung in Teheran nach Vollstreckung des Todesurteils "Menschenverachtung" vor.

Doch das iranische Regime, darunter auch Präsident Ebrahim Raisi, bezeichnete das Todesurteil als legitime Antwort auf die Proteste im Land. Die Führung in Teheran beschuldigt das Ausland, darunter auch Deutschland, die Proteste zu befeuern und zu organisieren.

Die iranischen Demonstrantinnen und Demonstranten drohten mit Vergeltung, etwa mit der Botschaft "Wartet auf unsere Rache". Am Wochenende sind in mehrere Städten weltweit Protestversammlungen geplant.

Mindestens 470 Menschen getötet

Auslöser für die mittlerweile mehr als zwei Monate andauernden Proteste war das Vorgehen der Sittenpolizei. Mitte September verhafteten die islamischen Sittenwächter die 22-jährige Mahsa Amini, weil unter ihrem Kopftuch angeblich Haarsträhnen zu sehen waren. Amini starb wenige Tage später im Gewahrsam der Sittenpolizei.

Seitdem fordern die Demonstrantinnen und Demonstranten ein Ende der Kleidervorschriften und vielfach auch das Ende des islamistischen Regimes. Menschenrechtler gehen davon aus, dass mittlerweile mehr als 18.000 Menschen verhaftet und mindestens 470 getötet wurden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Dezember 2022 um 08:47 Uhr.